Wie du aus deiner Essstörung lernen kannst

von | Aug 25, 2018

Wenn du schon eine Weile auf meinem Blog mitliest, dann wirst du wissen, dass ich eine Essstörung nicht als das Ende von allem sehe, sondern als eine große Chance. Denn die Essstörung möchte dich anhalten, zu lernen und über dich hinaus zu wachsen.

Doch wie geht dieses Lernen? Wie kannst du diese herausfordernde Lebensphase so für dich nutzen, dass nach und nach etwas Positives und Gewinnbringendes daraus entsteht?

Genau um diese Fragen wird es heute gehen. Ich möchte dir zeigen, wie du dich immer mehr diesem Lernprozess hingeben und von ihm führen lassen kannst.

Aufsteigen einer Erkenntnis ins Bewusstsein

Es herrscht ja das weit verbreitete Bild, dass Lernen von außen gesteuert werden muss und auf diese Weise geschieht. Das heißt, da ist jemand, der ein Thema vorgibt, das dann bearbeitet und anhand dessen gelernt wird.

Mein Bild, wie Lernen geschieht, hat sich in den letzten Jahren sehr gewandelt. Inzwischen glaube ich, dass Lernen von innen heraus passiert. Das heißt, jeder Mensch trägt ein eigenes Curriculum in sich. Und dieser innere Plan gibt vor, welche Lernaufgabe jetzt für diesen Menschen dran ist und was ihn auf seinem Weg gerade am meisten vorwärts bringt. Es gilt also, sich an diesem inneren Curriculum zu orientieren, die aktuelle Lernaufgabe zu erkennen und eben daran zu wachsen.

So weit. So gut.

Doch was heißt das nun konkret für dich und deine aktuelle Lernaufgaben, die ja mit deiner Essstörung einher gehen?

Ich vermute, dass du bestimmte Themen mit dir rumschleppst, bei denen du immer wieder aufs Neue nicht weiter kommst.

  • Vielleicht bist du jemand, der seine Wut sehr schluckt und dann daheim komplett überbrodelt vor zurück gehaltener Wut.
  • Oder du stellst deine eigenen Bedürfnisse immer wieder hinten an. Und ärgerst dich im Nachenein jedes Mal wieder, dass du selbst irgendwie ganz schön kurz gekommen bist.
  • Vielleicht geht es dir auch so, dass du deine Belastungsgrenzen schlecht wahrnimmst und so viel rackerst und rackerst, dass du am Abend nur noch erschöpft ins Bett fällst.
  • Es kann auch das komplette Gegenteil sein: Du versinkst sehr schnell in Lethargie und schaffst es einfach nicht, dir deinen Tag zu strukturieren, um nicht so schnell zu versacken.

Nun ist es so, dass diese Muster und Thematiken unbewusst ablaufen. Du verhältst dich also immer wieder auf eine bestimmte Weise und schadest dir letztendlich nur, ohne es bewusst zu haben.

Doch irgendwann kommt der Tag, da beginnt sich eine bestimmte Lernaufgabe deines inneren Curriculums ihren Weg ans Licht zu bahnen. Das passiert in der Regel dann, wenn sich destruktive Verhaltensweisen derart zugespitzt haben, dass bei dir die Kotzgrenze erreicht ist. Dann kannst du einfach nicht mehr wegsehen und in diesem Moment steigt auf einmal eine Erkenntnis ins Bewusstsein auf: ‚Mensch, das habe ich bisher ja immer so und so gemacht. Und das tut mir überhaupt nicht gut.‘

Es kommt also ein Lernprozess in Gange, bei dem du im Ergebnis deine Wut zulassen, eigene Bedürfnisse besser wahrnehmen, deine Belastungsgrenzen ernster nehmen oder ins Handeln kommen und aus der Lethargie aussteigen wirst.

Verinnerlichen der Erkenntnis im Körper

Mit der Erkenntnis, die nun ins Bewusstsein aufgestiegen ist, ist der erste wichtige Schritt geschafft. Doch es gibt noch einen zweiten, denn die Erkenntnis allein reicht nicht aus, um das, was dir bewusst geworden ist, wirklich zu verinnerlichen, nachhaltig etwas zu verändern und somit zu wachsen.

Was meine ich damit?

Jede Blockade, die im Außen sichtbar wird, ist auch in dir drin vorhanden. Das heißt, jede destruktive Verhaltensweise und jede Blockade, die du in deinem Handeln spürst, hat auch ein entsprechendes Pendant in deinem Körper. Das sind blockierte Energien, die irgendwo in deinem Körper gespeichert sind und die darauf warten, aufgelöst zu werden. Und indem du diese blockierten Energien transformierst, verändern sich auch deine destruktiven Verhaltensmuster hin zu positiven.

Um blockierte Energien aufzulösen, musst du „nur“ auf deinen Körper hören. Denn er sagt dir ganz genau, was er gerade braucht, um Transformation geschehen zu lassen:

  • Das kann sein, dass es von jetzt auf gleich in dir zu wirbeln beginnt und du nicht mehr klar denken kannst. Dann such dir eine ruhige Ecke und zieh dich zurück, um in dich hinein zu lauschen, was gerade los ist und was da in dir sortiert werden will.
  • Vielleicht steigen auf einmal Gefühle in dir hoch. Du bekommst ohne erklärbaren Grund Angst, verspürst Schuldgefühle oder Tränen wollen rollen. Lass diese Gefühle einfach zu, ohne sie wegzudrücken und fühle sie.
  • Vielleicht merkst du, dass du unglaublich erschöpft bist, obwohl du den Tag über gar nicht so viel geleistet hast. Wenn sich dein Körper Erholung einfordert, so gib ihm dies bitte und schlaf deine 10 bis 12 Stunden in der Nacht. Und wenn das über mehrere Tage oder sogar noch länger gehen sollte – geh dem bitte nach, solange du merkst, dass dir die Erholung gut tut. Du erledigst dann deine Lernaufgaben quasi im Schlaf.
  • Es kann aber auch sein, dass du merkst, wie dich die Trägheit immer mehr fertig macht. Und je länger du in dieser verharrst, desto schlechter und matter fühlst du dich. Dann ist es an der Zeit, in Bewegung zu kommen, zu spazieren, Fahrrad zu fahren oder zu schwimmen, um die blockierten Energien auf diese Weise zu lösen und in Fluss zu kriegen.

Also, hör auf deinen Körper, was er gerade braucht und geh diesem bitte nach.

Zusammengefasst lässt sich sagen: Indem du Erkenntnisse ins Bewusstsein aufsteigen lässt und die blockierten Energien in Fluss bringst, passiert nachhaltiges Lernen. Denn das Lernen bleibt nicht nur eine reine Kopfsache, sondern du verinnerlichst das Gelernte tief in deinem Körper. Und auf diese Weise wirst du nachhaltig Thema für Thema und Erkenntnis für Erkenntnis wachsen.

Ich wünsche dir viele wunderbare, leichte Lernmomente. Denn Lernen wird sehr einfach, sehr schnell und sehr effektiv gehen, sobald du deinem inneren Curriculum folgst.

© Dorothea

P.S.: Du kannst meine Artikel gerne teilen. Wenn du den Text nutzen möchtest, dann kopiere ihn bitte komplett und verlinke darunter meine Homepage https://wege-aus-der-essstoerung.de als Quellenangabe. Danke für diese Win-win-Situation.

Eure Stimmen

Danke für eure liebevollen Rückmeldungen!

Ich wollte einfach mal kurz DANKE für deine tolle Seite sagen!! Deine Beiträge unterstützen mich sehr beim Weg aus meiner Essstörung. Aus meiner Sicht sind es viele Puzzleteile, welche sich zusammen setzen müssen, bis ich meinen Weg gefunden habe. Dein Blog ist auf jeden Fall ein Puzzleteilchen davon. 🙂 Mach weiter so und ich freue mich auf deine Beiträge!

Sandra

„Vor einigen Tagen habe ich „per Zufall“ (ob es den überhaupt gibt? 🙂 ) deine Internetseite entdeckt.

Ich habe selbst auch eine Essstörung (Magersucht) und deine Texte haben mir unglaublich geholfen und mich sehr viel weiter gebracht. Ich habe in den letzten Tagen sehr vieles über mich und meine Essstörung verstanden und gelernt.

Etwas sehr Entscheidendes ist auch passiert, nämlich sehe ich die Essstörung nun nicht mehr als „ein böses Monster“, sondern ich sehe und bin dankbar dafür, wie viel ich von ihr (über mich) lernen kann/ darf. Auch schäme ich mich nicht mehr dafür, eine Essstörung zu haben und bin viel gelassener und entspannter.

Ich habe mich in ganz vielen Themen von deinen Artikeln wieder gefunden und fühl(t)e mich dadurch sehr verstanden. Ich bin bereits seit ein paar Wochen in Therapie und gehe Schritt für Schritt meinen Weg. Du hast mich aber gleich einen ganz großen Schritt weiter gebracht, wofür ich dir sehr dankbar bin!“

Florence