Warum du die Kontrolle über dein Essverhalten aufgeben solltest

von | Mrz 12, 2018

Ich gebe zu, die Einladung, die Kontrolle über dein Essverhalten aufzugeben, mag in deinen Ohren sicher recht eigenartig klingen. Denn ist es nicht das, was du dir so sehr wünschst? Endlich dein Essverhalten in den Griff zu bekommen…

Ich kann deinen Wunsch gut verstehen. Schließlich hatte ich selbst lange Zeit das Ziel, endlich Kontrolle über mein Essverhalten zu bekommen. Doch mit der Zeit habe ich immer mehr gelernt, dass ich nicht zufrieden werden kann, wenn ich endlich Macht über mein Esshalten bekomme. Sondern ich bin erst dann glücklich geworden, als ich mir keine Gedanken mehr über das Essen gemacht habe. Auf dem Weg dahin bin ich immer mehr ins Vertrauen gegangen, dass sich mein Körper von alleine bei einem gesunden Gewicht einpendeln wird. Und so war es schließlich auch.

Deshalb möchte ich heute darüber schreiben, warum der Weg in die Richtung geht, nach und nach immer mehr ins Vertrauen statt in die Kontrolle zu gehen.

Die Angst vorm Kontrollverlust

Geht dir das auch so, dass es nichts Schlimmeres gibt als die Vorstellung, keine Kontrolle mehr über dein Essverhalten zu haben? Und beschäftigst du dich viel damit, wann du was isst und wie viel davon? Vielleicht geht sogar ein Großteil des Tages dafür drauf. Und steckt bei dir dahinter die richtig heftige Angst, wie ein Hefekloß aufzugehen, sobald du die Zügel beim Essen lockerer lassen würdest?

Solange diese Angst vor der Gewichtszunahme so überwältigend groß ist, ist diese Kontrolle auch wichtig, damit es nicht zu einem absoluten Kontrollverlust kommt.

Denn die Kontrolle des Essverhaltens hat eine wichtige Funktion: Sie dient der Regulation von Emotionen. Solange du einen riesigen Packen an angestauten Emotionen in dir trägst, brauchst du das Essen, Nichtessen oder Essen-und-Erbrechen, um mit diesem enormen Druck irgendwie umzugehen und nicht vollkommen von all den unangenehmen Gefühlen überflutet zu werden.

Doch der Nachteil dieser Strategie ist: Du hältst damit letztendlich einen richtig ungünstigen Teufelskreis aufrecht. Denn du bist auf die Kontrolle als Bewältigungsstrategie angewiesen.

Und das führt dazu, dass genau das Gegenteil von dem, was du für dein Essverhalten und dein Körper willst, passiert: Du fühlst dich megaunwohl. Denn entweder hast du so wenig auf den Knochen, dass es dir und deinem Körper nicht gut tut. Oder du wohnst in einem dicken Panzer, in dem du dich alles andere als wohl fühlst. Das Ziel, zufrieden mit dem eigenen Essverhalten und deinem Körper zu sein, erreichst du allerdings nicht.

Das Geheimnis des Loslassens

Doch wie erreichst du nun dein Wohlfühlgewicht und ein glückliches Essverhalten?

Zunächst geht es darum, dass du anfängst, deine Gefühle zuzulassen. Denn auf diese Weise stauen sich nicht immer mehr in dir drin an. Im Gegenteil: Mit der Zeit löst sich immer mehr von dem angesammelten Gefühlsstau und der emotionale Packen wird kleiner.

Wenn er irgendwann so klein geworden ist, dass dich die unangenehmen Gefühlen nicht mehr überwältigen, dann wird es dir nach und nach gelingen, die Kontrolle über dein Essverhalten aufzugeben.

Es ist wohl so eines der großen Geheimnisse des Lebens: Lass los und du wirst genau das bekommen, was du willst.

Doch warum ist es so, dass du dein Wunschgewicht erreichen wirst, sobald du loslässt und die Kontrolle aufgibst?

Ich denke, es geht darum, in die Natürlichkeit zurück zu finden. Also, zu essen, wenn du Hunger hast und aufzuhören, wenn du satt bist. Das kontrollierte Essverhalten ist alles andere als natürlich und funktioniert deshalb auch nicht.

Werfen wir doch mal einen Blick in die Natur. Die Tiere, die in freier Wildbahn leben, machen sich wirklich null Gedanken darüber, ob sie jetzt essen sollten oder nicht. Sie tun es einfach, wenn ihnen danach ist. Und was ist zu beobachten? Jedes Tier hat genau die Statur, die ihm die Natur zugedacht hat: Giraffen sie schlank und groß. Nilpferde sind voluminös und kompakt. Und Paviane drahtig und gelenkig. Jedes Tier ist genau so gebaut, wie es für sein Dasein und sein Überleben am Besten ist.

Und auch für uns Menschen hat sich die Natur eine Statur ausgedacht, die genau richtig für uns ist. Wir Menschen sind nicht für ein Kugeldasein geschaffen, sondern für eine wunderschöne Figur in einem angenehmen Gewichtsbereich. Und je mehr du loslässt und je mehr du genau darauf vertraust, desto mehr wirst du auch dahin kommen.

Lass dich lieb drücken.

@ Dorothea

P.S.: Du kannst meine Artikel gerne teilen. Wenn du den Text nutzen möchtest, dann kopiere ihn bitte komplett und verlinke darunter meine Homepage https://wege-aus-der-essstoerung.de als Quellenangabe. Danke für diese Win-win-Situation.

Eure Stimmen

Danke für eure liebevollen Rückmeldungen!

Ich wollte einfach mal kurz DANKE für deine tolle Seite sagen!! Deine Beiträge unterstützen mich sehr beim Weg aus meiner Essstörung. Aus meiner Sicht sind es viele Puzzleteile, welche sich zusammen setzen müssen, bis ich meinen Weg gefunden habe. Dein Blog ist auf jeden Fall ein Puzzleteilchen davon. 🙂 Mach weiter so und ich freue mich auf deine Beiträge!

Sandra

„Vor einigen Tagen habe ich „per Zufall“ (ob es den überhaupt gibt? 🙂 ) deine Internetseite entdeckt.

Ich habe selbst auch eine Essstörung (Magersucht) und deine Texte haben mir unglaublich geholfen und mich sehr viel weiter gebracht. Ich habe in den letzten Tagen sehr vieles über mich und meine Essstörung verstanden und gelernt.

Etwas sehr Entscheidendes ist auch passiert, nämlich sehe ich die Essstörung nun nicht mehr als „ein böses Monster“, sondern ich sehe und bin dankbar dafür, wie viel ich von ihr (über mich) lernen kann/ darf. Auch schäme ich mich nicht mehr dafür, eine Essstörung zu haben und bin viel gelassener und entspannter.

Ich habe mich in ganz vielen Themen von deinen Artikeln wieder gefunden und fühl(t)e mich dadurch sehr verstanden. Ich bin bereits seit ein paar Wochen in Therapie und gehe Schritt für Schritt meinen Weg. Du hast mich aber gleich einen ganz großen Schritt weiter gebracht, wofür ich dir sehr dankbar bin!“

Florence