Tipps und Tricks gegen die Lethargie

von | Sep 16, 2017

Sie sind schrecklich, diese Tage, die ohne Plan beginnen. Die Stunden werden länger und länger, die Stimmung sinkt kontinuierlich. Und schließlich endet das Ganze in der vollkommenen Lethargie, aus der es keinen Ausweg mehr zu geben scheint.

Was du tun kannst, um aus dem dunklen Loch wieder heraus zu klettern und wie du gar nicht erst hinein fällst – darum geht es in diesem Blogartikel.

Aktivität statt Passivität

Hast du schon einmal beobachtet, was an diesen Tagen mit dir passiert? Vermutlich wirst du innerlich wie auch äußerlich immer starrer und unbeweglicher, rutschst weiter und weiter in die Passivität hinein und landest schließlich in der kompletten Handlungsunfähigkeit. Um dem zu entkommen, ist es sinnvoll, dass du dir bewusst das Gegenteil suchst: Komm in Bewegung und werde aktiv!

Folgende Ideen könnten dir helfen, um wieder in die Aktivität zu finden:

  • Mach einen Spaziergang, um dich aus der Starre zu befreien! Vielleicht gibt es in deiner Nähe einen See, zu dem du hinlaufen könntest. Oder du schlenderst eine Runde durch dein Kiez und schaust, was es dort zu entdecken gibt. Auch ein Bummel durch die Altstadt deiner Stadt kann schön sein. Und unterwegs kommst du sicher auf andere Gedanken.
  • Nutze deine Hände, um wieder handlungsfähig zu werden! Egal, ob du malst, bastelst, töpferst, filzt, nähst, häkelst, strickst, … Es gibt viele Möglichkeiten, um auf kreative Weise aktiv zu werden und dabei in einem spannenden Prozess etwas zu gestalten.
  • Komm mit Musik in Bewegung! Du kannst deine Lieblingssongs mitsingen und dabei tanzen. Oder du nimmst dein Instrument in die Hand und spielst dir selber ein schönes Liedchen.

Vielleicht kannst du dir in den Momenten, in denen es dir wirklich schlecht geht und du dich wie gelähmt fühlst, nicht vorstellen, dass dir irgendetwas helfen könnte. Auch diese Gedanken sind Teil der Starre und gehören leider dazu. Aber vielleicht hilft dir in so einer Situation folgender Gedanke: ‚Entweder ich unternehme jetzt nichts. Dann wird es definitiv immer schlimmer. Oder ich nehme jetzt meine letzte Kraft zusammen und versuche, in irgendeiner Weise aktiv zu werden. Dann besteht zumindest die Möglichkeit, dass es mir danach besser geht. Ein Versuch wäre es wert.‘

Was du präventiv tun kannst

Bei vielen Frauen kommt bereits die Angst, wenn ein leerer Tag ohne Termine vor ihnen liegt. Dann fallen sie in das dunkle Loch, weil sie ahnen, dass der kommende Tag in der Lethargie endet. Diese Angst kann unglaublich lähmen. Und gleichzeitig lässt sich die Angst auch positiv nutzen, denn sie zeigt an, dass diese leeren Tage eine große Gefahr in sich bergen. Ein planloser Tag wird gefährlich – also mach dir doch konkrete Pläne.

Wie wäre es, wenn du dir in einem Moment, in dem es dir etwas besser geht, einen kleinen Spickzettel schreibst?! Auf diesem notierst du all das, was du gerne einmal machen würdest: in ein Museum oder ins Theater gehen, die Sternwarte besuchen, das neue Schwimmbad ausprobieren, in der Bibliothek schmökern, vom Kirchturm einen Blick von oben auf die Stadt werfen, an einem Seminar teilnehmen, einen Kurs an der Volkshochschule besuchen, zu einem Vortrag gehen, … Beim Blick ins Internet findest du sicher noch einige Anregungen mehr, was in deiner Nähe möglich ist. Auch ein Cafébesuch mit einer Freundin, ein Anruf bei der Oma oder ein Besuch bei der Schwester könnte auf deinem Spickzettel stehen. Alles, was dir gut tut, kannst du notieren.

Wenn nun ein planloser Tag vor dir liegt, kannst du dir mithilfe deines Spickzettels eine Struktur für diesen Tag zusammen basteln. Vielleicht schreibst du dir sogar einen konkreten Tagesplan auf:

  • 7:30 Uhr: Wecker klingeln
  • 8:00 Uhr: aufstehen + Morgentoilette
  • 8:30 Uhr: Frühstück
  • 9:00 Uhr: Bibliotheksbesuch
  • 11:30 Uhr: Spaziergang zum See
  • 12:30 Uhr: Mittagessen
  • 13:00 Uhr: Mittagspause im Park mit Lieblingsmusik
  • 14:30 Uhr: Treff mit Christine auf einen Kaffee
  • 16:30 Uhr: daheim Querflöte spielen
  • 18:00 Uhr: Oma anrufen
  • 18:30 Uhr: Abendbrot
  • 19:30 Uhr: Filmabend mit WG-Mitbewohnerin
  • ca 22:30 Uhr: ins Bett gehen

Dieser Tagesplan verhindert, dass du in das Loch fällst, denn du kannst dich an der Struktur orientieren und hast immer im Blick, was du als nächstes tun kannst.

Und was ich noch für wichtig halte: Ein wachsamer Blick dafür, wie es dir gerade geht, ist in jedem Fall sinnvoll. Denn je früher du bemerkst, dass du gerade in die Lethargie rutschst oder rutschen könntest, desto leichter kannst du gegensteuern. Wenn du schon weit in das schwarze Loch hinein gerutscht bist, wird es immer schwieriger, da heraus zu kommen. Aber auch das ist möglich – es kostest nur mehr Kraft. Und mit etwas Übung wirst du mit der Zeit immer früher bemerken, dass du gerade dabei bist, in die Lethargie zu fallen. Es ist ein Lern- und Übungsprozess, der Zeit braucht. Und jeder aktive Versuch, dagegen zu steuern, ist ein Erfolg, der Anerkennung verdient – auch wenn es noch nicht 100%-ig geklappt hat.

Ich wünsche dir viele kreative Ideen und dass du immer wieder erlebst, dass du Handlungsmöglichkeiten hast.

© Dorothea

P.S.: Du kannst meine Artikel gerne teilen. Wenn du den Text nutzen möchtest, dann kopiere ihn bitte komplett und verlinke darunter meine Homepage https://wege-aus-der-essstoerung.de als Quellenangabe. Danke für diese Win-win-Situation.

Eure Stimmen

Danke für eure liebevollen Rückmeldungen!

Ich wollte einfach mal kurz DANKE für deine tolle Seite sagen!! Deine Beiträge unterstützen mich sehr beim Weg aus meiner Essstörung. Aus meiner Sicht sind es viele Puzzleteile, welche sich zusammen setzen müssen, bis ich meinen Weg gefunden habe. Dein Blog ist auf jeden Fall ein Puzzleteilchen davon. 🙂 Mach weiter so und ich freue mich auf deine Beiträge!

Sandra

„Vor einigen Tagen habe ich „per Zufall“ (ob es den überhaupt gibt? 🙂 ) deine Internetseite entdeckt.

Ich habe selbst auch eine Essstörung (Magersucht) und deine Texte haben mir unglaublich geholfen und mich sehr viel weiter gebracht. Ich habe in den letzten Tagen sehr vieles über mich und meine Essstörung verstanden und gelernt.

Etwas sehr Entscheidendes ist auch passiert, nämlich sehe ich die Essstörung nun nicht mehr als „ein böses Monster“, sondern ich sehe und bin dankbar dafür, wie viel ich von ihr (über mich) lernen kann/ darf. Auch schäme ich mich nicht mehr dafür, eine Essstörung zu haben und bin viel gelassener und entspannter.

Ich habe mich in ganz vielen Themen von deinen Artikeln wieder gefunden und fühl(t)e mich dadurch sehr verstanden. Ich bin bereits seit ein paar Wochen in Therapie und gehe Schritt für Schritt meinen Weg. Du hast mich aber gleich einen ganz großen Schritt weiter gebracht, wofür ich dir sehr dankbar bin!“

Florence