Der Sinn des Lebens

von | Nov 23, 2017

Ich bin gerade in einer nachdenklich-melancholischen Stimmung. Draußen ist es bereits dunkel geworden und der Rauch, der aus dem Schornstein vom Haus gegenüber aufsteigt, verrät, dass es kalt geworden ist.

Mir gehen viele Fragen im Kopf herum und eine davon ist eine ganz große: Was ist der Sinn des Lebens?

So möchte ich in diesem Artikel zusammen mit dir auf Antwortsuche gehen.

Ein Leben, das erfüllt

Im Grunde genommen sind es in meinen Augen zwei Gründe, warum eine jede von uns auf der Welt ist.

Der erste Grund ist im Außen zu finden: Ich denke, dass wir hier sind, um das Leben zu leben, was sich für uns stimmig anfühlt und was uns erfüllt. Das ist für jeden Menschen natürlich etwas anderes und kann sich im Laufe der Jahre auch wandeln.

Für mich fühlt es sich momentan richtig an, ganz sehr für meine Kinder da zu sein. Sie sind jetzt zwei und vier und besuchen keine öffentliche Einrichtung, sondern sind die meiste Zeit des Tages mit mir zusammen. Wir haben uns gemeinsam für so ein Modell entschieden, weil wir die Kleinkindjahre miteinander genießen wollen. Denn irgendwann werden sie groß sein und ihre eigenen Wege gehen. Deshalb ist jetzt ihre und unsere gemeinsame Zeit.

Dann ist es mir wichtig, mir auch immer wieder Oasen zusammen mit meinem Mann zu schaffen, um unsere Beziehung lebendig zu halten. Das ist im trubeligen Familienalltag nicht immer einfach und es braucht einen wachen Geist, dass wir uns bewusst Zeiten füreinander nehmen.

essmo gibt mir natürlich auch ganz viel Lebenssinn und ich bin dankbar darüber, wie sich das Projekt entwickelt. Mit der Arbeit an der Homepage habe ich eine Möglichkeit gefunden, um für meine Familie da zu sein und gleichzeitig auch wieder stückchenweise in meinen Beruf einzusteigen. Eine wunderbare Kombi, die mich sehr erfüllt.

Und schließlich geht es mir darum, mich selbst nicht zu vergessen und mir im Chaos des Alltags immer wieder auch Auszeiten für mich selbst zu nehmen, in denen ich alleine wandern gehe, mich mit Freunden treffe, träume, schlafe oder über Fragen, die mich gerade beschäftigen, nachdenke.

Und wie ist das bei dir?

  • Studierst du das Fach, das dir Spaß macht?
  • Gehst du Tag für Tag auf eine Arbeitsstelle, wo du das tust, was dich erfüllt?
  • Lebst du in einer Beziehung, die dir gut tut?
  • Verbringst du so viel Zeit mit deiner Familie, wie dir persönlich wichtig ist?
  • Würdest du gerne (mehr) reisen?
  • Gehst du Hobbys nach, an denen du Freude hast?
  • Was würdest du in deiner aktuellen Lebensphase gerne ändern?

Ich möchte dich einladen, zu überlegen, ob du aktuell das Leben führst, was dir gut tut und was sich für dich richtig anfühlt. Denn meiner Erfahrung nach richten sich Frauen mit Essstörungen ganz, ganz oft nach Überzeugungen, die sie irgendwann mal eingetrichtert bekommen haben, weil sie denken, so muss man leben. Und dadurch leben sie ein Leben, das überhaupt nicht ihrs ist.

Falls du das auch für dich feststellen solltest, dann könntest du schauen, an welchen Stellen du etwas anders haben willst. Sicher lässt sich nicht alles auf einmal ändern. Es ist halt ein Prozess, der seine Zeit braucht. Aber mit kleinen Schritten lässt sich sicher schon jetzt was bewegen.

Vielleicht buchst du eine Reise nach Rom über Silvester. Du könntest mit deinem Partner darüber reden, was du dir in eurer Beziehung anders wünschst. Vielleicht gehst du den lang geplanten Jobwechsel nun endlich an. Oder du reduzierst deine Arbeitszeit, um mehr Zeit für dich und deine Familie zu haben. Du könntest auch einen Traum aus Jugendzeiten wieder hervor kramen und Cello spielen lernen.

Ich bin mir sicher, du findest so manche Stellschraube, an der du schrauben kannst, um Dinge mehr in die Richtung zu bewegen, in der du sie gerne hättest.

Persönliches Wachstum

Der zweite Grund liegt im Innen: Ich denke, wir sind auch auf dieser Welt, um uns persönlich weiter zu entwickeln und dadurch kontinuierlich zu wachsen.

Das heißt konkret, dass du Dinge hinterfragst und schaust, ob die Glaubenssätze und Überzeugungen, die du irgendwann mal gelernt hast, noch zu dir passen.

Vielleicht warst du bisher der Meinung, du musst dein Studium in der Regelstudienzeit über die Bühne bringen. Warum? Du kannst doch auch ein paar Seminare aufs nächste Semester legen und ein paar Prüfungen schieben, um Entspannung in die ganze Sache zu bekommen. Und ob du nun ein Jahr länger studierst oder nicht… Wen interessiert’s?! Wenn es dich jetzt in deiner aktuellen Lebenssituation entspannt, ist es doch gut, etwas Druck rauszunehmen. Und deinem späteren Arbeitgeber kannst du dann erzählen, du hättest diese Zeit zur Persönlichkeitsentfaltung genutzt.

Oder vielleicht dachtest du bisher, dass du mit 35 nicht mehr anfangen kannst, ein Instrument zu lernen. Und dann stellst du fest, wie gerne du es doch tun würdest. Dann wirf doch einfach deine Überzeugung, dass du bereits als Kind hättest anfangen müssen, über Bord. Und meld dich zum Cellounterricht an.

Wenn du anfängst, Dinge zu hinterfragen, stellst du sicherlich fest, wie viel dich an alten Glaubenssätzen blockiert und an einem erfüllten Leben hindert. Doch sobald du eine alte, hinderlich gewordene Überzeugung über Bord geworfen hast, hast du dich ein Stück weiter entwickelt und bist daran gewachsen.

Diese innere Arbeit hängt also ganz sehr mit dem Leben im Außen zusammen. Sie ist quasi Voraussetzung, bevor du im Außen Veränderungen angehst. Denn erst, wenn du differenzierst, was alte Glaubenssätze sind und was du wirklich willst, kannst du dir dein Leben so gestalten, wie es zu dir passt.

Ich wünsche dir, dass auch du nach und nach deinen ganz persönlichen Sinn des Lebens findest. Und auf dem Weg dahin innerlich wächst.

Sei lieb gegrüßt.

© Dorothea

P.S.: Du kannst meine Artikel gerne teilen. Wenn du den Text nutzen möchtest, dann kopiere ihn bitte komplett und verlinke darunter meine Homepage https://wege-aus-der-essstoerung.de als Quellenangabe. Danke für diese Win-win-Situation.

Eure Stimmen

Danke für eure liebevollen Rückmeldungen!

Ich wollte einfach mal kurz DANKE für deine tolle Seite sagen!! Deine Beiträge unterstützen mich sehr beim Weg aus meiner Essstörung. Aus meiner Sicht sind es viele Puzzleteile, welche sich zusammen setzen müssen, bis ich meinen Weg gefunden habe. Dein Blog ist auf jeden Fall ein Puzzleteilchen davon. 🙂 Mach weiter so und ich freue mich auf deine Beiträge!

Sandra

„Vor einigen Tagen habe ich „per Zufall“ (ob es den überhaupt gibt? 🙂 ) deine Internetseite entdeckt.

Ich habe selbst auch eine Essstörung (Magersucht) und deine Texte haben mir unglaublich geholfen und mich sehr viel weiter gebracht. Ich habe in den letzten Tagen sehr vieles über mich und meine Essstörung verstanden und gelernt.

Etwas sehr Entscheidendes ist auch passiert, nämlich sehe ich die Essstörung nun nicht mehr als „ein böses Monster“, sondern ich sehe und bin dankbar dafür, wie viel ich von ihr (über mich) lernen kann/ darf. Auch schäme ich mich nicht mehr dafür, eine Essstörung zu haben und bin viel gelassener und entspannter.

Ich habe mich in ganz vielen Themen von deinen Artikeln wieder gefunden und fühl(t)e mich dadurch sehr verstanden. Ich bin bereits seit ein paar Wochen in Therapie und gehe Schritt für Schritt meinen Weg. Du hast mich aber gleich einen ganz großen Schritt weiter gebracht, wofür ich dir sehr dankbar bin!“

Florence