Der entspannte Start in den Tag

von | Okt 26, 2017

Wie war dein Morgen? Bist du heute mit dem richtigen Bein aufgestanden? Oder doch mit dem falschen?

Dieser Satz sagt sich so schnell daher. Dabei steckt in ihm eine ganz entscheidende Botschaft: So, wie du in den Tag startest, wird er auch werden. Beginnst du deinen Tag gestresst und schlecht gelaunt, ist der Rest eigentlich schon gelaufen. Gehst du das Ganze dagegen gemütlich und gelassen an, werden die folgenden Stunden vermutlich deutlich gechillter.

Ich hätte Lust, zusammen mit dir die erste Stunde des Tages genauer unter die Lupe zu nehmen. Du auch?

Die zwei Schlechte-Laune-Macher einer Frau

Ich vermute, mindestens 95% aller Frauen haben zwei Schlechte-Laune-Macher zu Hause. Nicht nur Frauen, die sich mit einer Essstörung rumschlagen, nein, 95% aller Frauen.

Einer dieser beiden Schlechte-Laune-Macher hängt groß und unübersehbar an der Wand und grinst blöde. Der andere steht irgendwo versteckt und wartet Morgen für Morgen ganz hinterhältig auf seinen Einsatz.

Hat sich frau nun morgens aus dem Bett gequält, was in der dunkler werdenden Jahreszeit zunehmend schwieriger wird, so tritt sie als Erstes vor den Schlechte-Laune-Macher Nr. 1 und betrachtet sich von allen Seiten. Der Spiegel fordert sie geradezu heraus, den eigenen Körper einem mehr als kritischen Blick zu unterziehen. Und genaustens zu schauen, was nicht dem uns so erfolgreich vorgegaukelten Bild vom perfekten Körper entspricht. Ich denke, jede Frau hat so ihre Körperstellen an sich, mit denen sie nicht zufrieden ist. Die Laune ist also fürs Erste schon einmal gesunken.

Nun kommt der Schlechte-Laune-Macher Nr. 2 ins Spiel, der sich schon auf seinen Einsatz freut. Und mit dem allmorgendlichen Schritt auf die Waage sinkt die Stimmung nun endgültig in den Keller, denn die Waage tut frau in den seltensten Fällen den Gefallen und zeigt das, was sie gerne sehen würde.

So beginnt der Tag schon schlecht. Und kann nach solch einem Start auch nicht wirklich besser werden…

Wenn ich so drüber nachdenke… Ist doch irgendwie verrückt, dass sich gefühlt 95% aller Frauen ihren gesamten Tag vermiesen lassen, weil sie nicht einem Idealbild entsprechen, das irgendwer irgendwann ohne erkennbaren Grund erfunden hat, oder? Und dennoch sind wir fast alle in diesen verrückten Vorstellungen von dem perfekten Körper, das uns durch Medien, Stars & Sternchen, Diätprogramme, einer Konkurrenzstimmung und so weiter vorgegaukelt wird, gefangen.

Nun ist die Sache mit dem perfekten Körper für Frauen mit einer Essstörung besonders heftig, denn sie haben nicht nur dieses Idealbild in ihrem Kopf, sondern auch noch eine Essstörung im Nacken sitzen, die sie dahingehend peitscht und peitscht, das Idealbild endlich zu erreichen.

Ich kann verstehen, wenn der morgendliche Blick in den Spiegel und der Schritt auf die Waage zu deiner täglichen Routine gehören. Die Essstörung fordert sich das ja ganz heftig ein. Und gleichzeitig denke ich, dass du dir damit nichts Gutes tust.

Deshalb mein Vorschlag für eine Variante B:

Der alternative Morgen

Stell dir vor, du beginnst deinen Tag ganz anders.

Zunächst lässt du dich von leiser, sanfter Musik wecken und planst dir von vornherein genügend Zeit ein, um dich im Bett noch einmal umzudrehen. Jetzt, wo es draußen ungemütlicher und dunkler wird, geht eh alles nicht mehr so schnell. Also, lass dich sanft wach kitzeln, erinnere dich in Ruhe an deinen Traum der Nacht oder denk daran, was heute alles vor dir liegt. Wenn du willst, kannst du dir auch ein Tagebuch neben dein Bett legen, in das du all das notierst, was dir so im Kopf herum schwirrt. Einfach von der Seele schreiben, was gerade raus will.

Bevor du aufstehst, kannst du dich genüsslich recken und strecken, um dann – ganz wichtig (!) – mit dem richtigen Bein zuerst aufzustehen. 🙂

Mit dem Aufschütteln der Bettdecke lassen sich gut alle Sorgen und Ängste, die gerade an dir kleben, abschütteln. Lass sie ruhig im Bett. Sollen sie doch dort hocken und sich langweilen. Solange, bis sie von alleine aus deiner Wohnung verschwinden, weil es ihnen zu öde geworden ist. Und dann kannst du dich schon etwas befreiter auf den Weg ins Bad machen.

Deine beiden Schlechte-Laune-Macher lass, wenn es dir möglich ist, am Besten links liegen. Sie können sich auch gegenseitig fertig machen!

Du kannst die Zeit lieber dafür nutzen, um dich in Ruhe für den Tag hübsch zu machen. Vielleicht reibst du dich genüsslich mit einem duftenden Öl ein. Oder du massierst dir liebevoll dein Gesicht, um nach und nach wach zu werden. Oder du machst dir eine schicke Frisur. Überleg doch mal, was du deinem Körper Gutes tun könntest. Er würde sich auf jeden Fall freuen.

Vielleicht hast du auch einen Lieblingsradiosender, den du dir während deiner Zeit im Bad anschaltest und mit dem du entspannt bis schwungvoll in den Tag startest. Oder du schreibst dir auf die Fliesen im Bad ein paar freundliche Worte an dich selbst. Sozusagen als netten Guten-Morgen-Gruß.

Ich bin mir sicher, dass du auch noch Ideen hast, wie du dir deinen Morgen versüßen kannst. Und wenn dir das gelungen ist, dann können alle weiteren Stunden (fast) nur noch gut werden.

Also, ich wünsche dir morgen einen entspannten Start in den Tag. Und vergiss nicht, mit dem richtigen Bein zuerst aufzustehen. 🙂

©  Dorothea

P.S.: Du kannst meine Artikel gerne teilen. Wenn du den Text nutzen möchtest, dann kopiere ihn bitte komplett und verlinke darunter meine Homepage https://wege-aus-der-essstoerung.de als Quellenangabe. Danke für diese Win-win-Situation.

Eure Stimmen

Danke für eure liebevollen Rückmeldungen!

Ich wollte einfach mal kurz DANKE für deine tolle Seite sagen!! Deine Beiträge unterstützen mich sehr beim Weg aus meiner Essstörung. Aus meiner Sicht sind es viele Puzzleteile, welche sich zusammen setzen müssen, bis ich meinen Weg gefunden habe. Dein Blog ist auf jeden Fall ein Puzzleteilchen davon. 🙂 Mach weiter so und ich freue mich auf deine Beiträge!

Sandra

„Vor einigen Tagen habe ich „per Zufall“ (ob es den überhaupt gibt? 🙂 ) deine Internetseite entdeckt.

Ich habe selbst auch eine Essstörung (Magersucht) und deine Texte haben mir unglaublich geholfen und mich sehr viel weiter gebracht. Ich habe in den letzten Tagen sehr vieles über mich und meine Essstörung verstanden und gelernt.

Etwas sehr Entscheidendes ist auch passiert, nämlich sehe ich die Essstörung nun nicht mehr als „ein böses Monster“, sondern ich sehe und bin dankbar dafür, wie viel ich von ihr (über mich) lernen kann/ darf. Auch schäme ich mich nicht mehr dafür, eine Essstörung zu haben und bin viel gelassener und entspannter.

Ich habe mich in ganz vielen Themen von deinen Artikeln wieder gefunden und fühl(t)e mich dadurch sehr verstanden. Ich bin bereits seit ein paar Wochen in Therapie und gehe Schritt für Schritt meinen Weg. Du hast mich aber gleich einen ganz großen Schritt weiter gebracht, wofür ich dir sehr dankbar bin!“

Florence