Auf der Suche nach Frieden

von | Dez 30, 2018

Kennst du auch solche Momente, in denen ein tiefes Gefühl von Frieden über dich kommt, von welchem du ergriffen wirst? Nicht so ein Heile-Welt-Frieden, sondern ein umfassender Friede. Ein Friede, der in deinen ganzen Körper ausströmt und dich durch und durch erfüllt.

Und kannst du dir vorstellen, dass dies irgendwann nicht nur einzelne, kurze Momente bleiben? Sondern dass dieser Friede in dir wohnt und nicht mehr gehen will? Dass du wie eine Art friedliches Grundgefühl in dir trägst, das jeden Tag aufs Neue wieder da ist?

Ich habe mir in den letzten Tagen ein paar Gedanken gemacht, wie Frieden entsteht und wo er zu finden ist. Diese möchte ich gerne mit dir teilen.

Wo der Frieden zu finden ist

Im Grunde genommen ist er einfach da.

Wenn ein Baby auf die Welt kommt und seine Bedürfnisse nach kuscheln, stillen und schlafen von seinen Bezugspersonen erfüllt werden, ist es ein zutiefst friedliches Wesen. Es lebt ganz im Hier und Jetzt. Es guckt, kuschelt bei der Mama und ist vollkommen zufrieden mit sich und der Welt.

Auch Kinder haben noch so viel von diesem tiefen Frieden, wenn sie – versunken in sich – spielen. Sie sind in der Lage, ganz den Augenblick zu genießen. Auch sie sind so oft zufrieden und glücklich mit dem, was gerade ist. Und verschönern sich den Moment noch, indem sie sich die kleinsten Situationen auf kreativste und so spielerische Weise gestalten.

Mit der Zeit lernt ein heranwachsender Mensch jede Menge Dinge – entwicklungsfördernde wie auch entwicklungshemmende. Das, was hemmt, sind Erfahrungen, bei denen der Mensch lernt:

  • „Du bist nicht gut genug.“
  • „Du musst mehr leisten.“
  • „Das reicht noch nicht.“
  • „Du musst anders sein.“

All diese Glaubenssätze legen sich mit der Zeit wie ein dicker Panzer um den Körper herum, Schicht für Schicht. Sie setzen sich als negative Gedanken im Kopf fest und flüstern wie grässliche Stimmen immer wieder ins Ohr. Und mit jeder Erfahrung, jedem Glaubenssatz, jedem Gedanken und jeder Stimme wird der heranwachsende Mensch wieder ein Stück mehr von diesem Sein ganz im Hier und Jetzt und somit auch von diesem tiefen Frieden getrennt.

Der Friede ist also gar nicht im Außen zu finden, sondern er liegt in dir, in mir, in jedem Menschen – hinter den vielen Schichten und den unzähligen Stimmen vergraben. Es ist sozusagen mühsam, im Außen auf Biegen und Brechen irgendwas erreichen oder verändern zu wollen, wenn es in dir tobt und wütet.

Wie du wieder zum Frieden zurück findest

Deshalb gilt es, sich den inneren Glaubenssätzen, den Gedanken und den Stimmen zuzuwenden. Schicht für Schicht kann der Schutzpanzer aufgebrochen werden und die Gedanken und die Stimmen können mit der Zeit immer weniger wichtig genommen werden.

Wenn du ganz, ganz leise wirst, dann stellst du vielleicht fest, dass es unter dem tosenden Wirrwarr der Stimmen und Gedanken noch eine ganz andere Stimme gibt. Diese flüstert leise und zaghaft, traut sich kaum, das Ihrige auszusprechen. Doch das, was sie sagt, ist wichtig. Unglaublich wichtig. Denn diese Stimme meint es gut mit dir. Diese Stimme weiß, was du wirklich brauchst, um glücklich zu sein. Und diese Stimme führt dich immer mehr hin zu diesem tiefen Frieden.

Wenn du anfängst, dieser leisen Stimme zu folgen und dich dabei von so manchem negativen Glaubenssatz zu verabschieden, kommst du immer mehr bei dir an. Du verbindest dich immer mehr mit deinem wahren Kern des Friedens und der Stille und erreichst dadurch immer mehr in einen Zustand, in dem du vollkommen in dir ruhst. Es geht also gar nicht darum, irgendetwas zu lernen, sondern es geht darum, das zu verlernen und loszulassen, was dich in deiner Entwicklung gehemmt und blockiert hat.

Und weißt du was? Wenn du immer mehr bei dir ankommst und immer mehr in dir zu ruhen beginnst, passieren zwei Dinge:

1. Du entwickelst immer mehr Gelassenheit, sodass dich Dinge, die im Außen passieren, immer weniger unangenehm berühren oder gar aus der Bahn werfen. Dabei kommst du immer mehr im Hier und Jetzt an und es entsteht Vertrauen, dass das, was gerade ist, gut ist. Und gleichzeitig entwickelst du Dankbarkeit für die kleinen Geschenke, die jeder einzelne Moment bereit hält.

2. Du kommst immer mehr in deine Kraft und aus dieser heraus entsteht Handlungsfähigkeit. Je mehr du bei dir ankommst, desto mehr weißt du, was du brauchst, damit es dir gut geht und du beginnst, mitzugestalten. Das heißt, du wirst nicht mehr von irgendwelchen Ereignissen überrollt, sondern gestaltest sie so mit, dass es dir gut tut – aber das geht auf leichte und spielerische Weise und eben nicht auf Biegen und Brechen.

Es lohnt sich also wirklich, sich durch all die Stürme, die Glaubenssätze und die Stimmen hindurch zu arbeiten, denn dahinter liegt er, der tiefe, allumfassende Friede. Er ist einfach da und will auch dich immer wieder aufs Neue ausfüllen – wie eine sprudelnde Quelle, die nie versiegt.

So wünsche ich dir einen friedlichen Übergang ins neue Jahr und alles Gute für 2019.

© Dorothea

P.S.: Du kannst meine Artikel gerne teilen. Wenn du den Text nutzen möchtest, dann kopiere ihn bitte komplett und verlinke darunter meine Homepage https://wege-aus-der-essstoerung.de als Quellenangabe. Danke für diese Win-win-Situation.

Eure Stimmen

Danke für eure liebevollen Rückmeldungen!

Ich wollte einfach mal kurz DANKE für deine tolle Seite sagen!! Deine Beiträge unterstützen mich sehr beim Weg aus meiner Essstörung. Aus meiner Sicht sind es viele Puzzleteile, welche sich zusammen setzen müssen, bis ich meinen Weg gefunden habe. Dein Blog ist auf jeden Fall ein Puzzleteilchen davon. 🙂 Mach weiter so und ich freue mich auf deine Beiträge!

Sandra

„Vor einigen Tagen habe ich „per Zufall“ (ob es den überhaupt gibt? 🙂 ) deine Internetseite entdeckt.

Ich habe selbst auch eine Essstörung (Magersucht) und deine Texte haben mir unglaublich geholfen und mich sehr viel weiter gebracht. Ich habe in den letzten Tagen sehr vieles über mich und meine Essstörung verstanden und gelernt.

Etwas sehr Entscheidendes ist auch passiert, nämlich sehe ich die Essstörung nun nicht mehr als „ein böses Monster“, sondern ich sehe und bin dankbar dafür, wie viel ich von ihr (über mich) lernen kann/ darf. Auch schäme ich mich nicht mehr dafür, eine Essstörung zu haben und bin viel gelassener und entspannter.

Ich habe mich in ganz vielen Themen von deinen Artikeln wieder gefunden und fühl(t)e mich dadurch sehr verstanden. Ich bin bereits seit ein paar Wochen in Therapie und gehe Schritt für Schritt meinen Weg. Du hast mich aber gleich einen ganz großen Schritt weiter gebracht, wofür ich dir sehr dankbar bin!“

Florence