Traumaarbeit

Es scheint eine enge Verbindung zwischen den Themen „Essstörungen“ und „sexuelle Übergriffe“ zu geben.

Beobachtungen zufolge haben eine Vielzahl an Betroffenen Erfahrungen in dieser Richtung machen müssen und auch die tiefe Ablehnung der Weiblichkeit, die mit Essstörungen ja einher geht, spricht dafür.

Im Forschungsbereich von essmo wird es unter anderem um die Frage nach dem Zusammenhang von Essstörungen und sexuellen Übergriffen gehen, sodass zu dieser Frage noch mehr Licht ins Dunkel kommen wird.

An dieser Stelle möchte ich Einblicke in die Traumaarbeit geben und darüber, wie traumatische Erfahrungen, wie zum Beispiel sexuelle Übergriffe oder Vergewaltigungen, geheilt werden können.

Wie entsteht ein Trauma?

Gerät ein Mensch in eine Gefahrensituation, so reagiert der Körper sofort, indem er Energie ausschüttet, um dem bedrohlichen Ereignis begegnen zu können.

Nun sind wir Menschen von Natur aus mit drei Überlebensstrategien ausgestattet, von denen bei Gefahr eine reflexartig greift: Flucht, Kampf und Erstarrung. Das bedeutet, dass die ausgeschüttete Energie dafür genutzt wird, um eine der drei Strategien anzuwenden.

Gehen wir reflexartig in den Fluchtmodus, indem wir vor der Gefahr davon rennen, so wird die freigesetzte Energie für diese Flucht genutzt. Auch bei der unbewusst und in Sekundenschnelle ablaufenden Wahl für den Kampf benötigen wir die ausgeschüttete Energie, um uns zu wehren. Ist die Gefahr besiegt oder die Flucht gelungen, so fährt der Körper wieder in den Normalzustand zurück und das Leben kann weiter gehen.

Solche Situationen sind zwar anstrengend, hinterlassen aber keine Spuren, da die freigesetzte Energie während der Flucht oder des Kampfes komplett aufgebraucht und die Erfahrung im Anschluss integriert wird. Dadurch schließt der Mensch mit dem Ereignis ab.

Nun gibt es aber auch Ereignisse, bei denen Flucht oder Kampf nicht möglich sind. Dazu gehören sexueller Missbrauch und Vergewaltigungen.

In diesen Situationen greift die dritte Überlebensstrategie: die Erstarrung. Der Körper hatte ja große Mengen an Energie freigesetzt, um der Gefahr begegnen zu können. Kommt es aber weder zum Kampf noch zur Flucht, so wird die Energiemenge eingefroren. Es kommt zur Erstarrung.

Das ist ein Schutzmechanismus des Körpers. Denn in diesem Zustand fühlt der Mensch kaum noch etwas und bekommt nicht mehr mit, was mit ihm passiert. Er ist quasi wie betäubt, um nicht zu spüren, wie das bedrohliche Ereignis über ihn herein bricht.

Ist die Gefahr vorüber, könnte er theoretisch seinen Weg unbeschwert fortsetzen.

Das geht aber nicht. Denn die großen Energiemengen, die freigesetzt worden waren, verbleiben im Körper. So signalisiert dieser weiterhin, dass eine Bedrohung da ist und der Mensch bleibt in diesem „Achtung! Gefahr!“ – Modus hängen.

Das Erlebnis ist zum Trauma geworden.

Wie kann ein Trauma aufgelöst werden?

Doch der menschliche Organismus ist auf Heilung aus. Das heißt, er hat von sich aus ein Interesse daran, die eingefrorenen Energiemengen und somit das Trauma wieder loszuwerden.

Es kommt der Zeitpunkt, an dem er die eingefrorenen Energien wieder auftaut. Sie beginnen im Körper zu zirkulieren und warten darauf, aufgebraucht zu werden. Das kann zum Beispiel anhand von körperlicher Betätigung wie zum Beispiel Rennen oder Boxen passieren. Die Flucht oder der Kampf wird sozusagen nachträglich nachgeholt. Sobald diese Energien verbraucht sind, kommt es zur Entspannung. Der Körper registriert also, dass die Gefahr vorüber ist.

Bei der Heilung einer traumatischen Erfahrung passieren neben dieser Arbeit auf körperlicher Ebene auch noch andere Prozesse. Zum einen schließen sich während des Heilungsprozesses nach und nach Gedächtnislücken, sodass das Ereignis am Ende vollständig erinnert werden kann. Zum anderen brechen nach einer gewissen Weile – sobald ein großer Teil der aufgetauten Energien den Organismus über die körperliche Ebene verlassen haben – Emotionen hervor, die in der Traumasituation entstanden sind.

Dabei ist es in der Traumaarbeit wichtig, dass die Therapierende oder Begleitende die Betroffene nicht in die Traumasituation zurück führt, indem diese zum Beispiel aufgefordert wird, sich an das Ereignis zu erinnern. In diesem Fall würde die Betroffene komplett von den in der Traumasituation entstandenen Gefühlen überflutet werden und es käme zu einer Retraumatisierung. Vielmehr geht es darum, die Betroffene dabei zu unterstützen, die Energien über den Körper sanft zu entladen und den Emotionen die Zeit zu geben, die sie brauchen, bis sie sich zeigen wollen.

Haben die Traumaenergien den Körper komplett verlassen und konnte die Betroffene das Ereignis auf mentaler wie auch auf emotionaler Ebene integrieren, kann sie ihren Blick wieder nach vorne richten, da sie nicht mehr in der Traumasituation festhängt. Von nun an kann ihr Leben deutlich unbeschwerter weiter gehen.

Wie in der Theorie ersichtlich wird, hat auch die Praxis bereits gezeigt, dass die vollständige Integration und somit die Heilung eines traumatischen Erlebnisses wie zum Beispiel eines sexuellen Übergriffs oder einer Vergewaltigung möglich ist.

Weiterführende Links

Weitere Informationen zur Traumaarbeit findest du hier: https://www.traumaheilung.de

Newsletter

Du willst intensiver mit essmo unterwegs sein? Dann trag dich hier für den kostenlosen essmo-Newsletter ein. 🙂

Facebook

YouTube

Mach doch auch einen Abstecher zum  YouTube-Kanal von essmo.