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Transformationsarbeit

In der Transformationsarbeit gehen wir davon aus, dass Betroffene wie du von sich aus ein Interesse daran haben, Negatives zu transformieren, um sich dadurch hin zum Positiven zu verändern.

Im Verlaufe eines Lebens hast du immer mehr Ballast angesammelt, den du mit dir herum schleppst. Dabei ist das Ansammeln des Ballasts auf folgende Weise passiert:

Immer, wenn du eine Erfahrung gemacht hast, so hat das in dir bestimmte Gefühle ausgelöst – angenehme wie auch unangenehme. Nun ist es gerade bei Frauen mit Essstörungen so, dass diese nicht lernen durften, Gefühle da sein zu lassen und zu fühlen. Doch die in einer Situation ausgelösten Gefühle haben eigentlich darauf gewartet, gefühlt zu werden. Denn auf diese Weise wären sie für immer verschwunden.

Da du die entstandenen Gefühle vermutlich nicht gefühlt hast, wurden diese immer mehr zu emotionalem Ballast, der sich in deinem Organismus angesammelt hat. Und dort rumort er kräftig.

Nun ist es so, dass der Organismus eines Menschen ein Interesse daran hat, emotionalen Ballast wieder los zu werden, denn er strebt nach (Selbst-)Heilung.

Deshalb kommt irgendwann der Zeitpunkt, an dem der Organismus beginnt, die in ihm gespeicherten Gefühle freizugeben, um sie nachträglich zu fühlen. Dieser Prozess kann wenige Zeit nach der nicht verarbeiteten Erfahrung passieren. Er kann aber auch erst Jahrzehnte später in Gang kommen.

Die Aufgabe von uns Begleitenden ist nun, geschehen zu lassen, was geschehen will und dich – auf deine Selbstheilungskräfte vertrauend – in deinen Prozessen zu begleiten.

Es ist nicht sinnvoll, Emotionen, die sich zu zeigen beginnen, schneller hervor locken zu wollen. Denn das könnte dazu führen, dass du von deinen Emotionen überflutet wirst. Genauso wenig ist es sinnvoll, die Prozesse ausbremsen zu wollen.

Vielmehr gilt es, Vertrauen in den Prozess zu haben. Denn dein Organismus gibt die Emotionen in dem Tempo und der Menge frei, wie diese für dich zu bewältigen sind.

Die sieben Phasen eines Transformationsprozesses

Egal, ob es sich um ein einzelnes Ereignis (wie zum Beispiel einen Unfall, eine Missbrauchserfahrung oder ähnliches) oder um eine große Lebenskrise handelt – solch ein Transformationsprozess verläuft in sieben Phasen.

1. Phase: Erkenntnis

Belastende Erfahrungen konnte der Organismus zum Zeitpunkt, als sie passiert sind, nicht verarbeiten. Das bedeutet unter anderem, dass sie im Gedächtnis nicht richtig abgespeichert worden sind. In Folge dessen erinnerst du dich vermutlich entweder gar nicht oder nur sehr lückenhaft an das Ereignis. Es ist verdrängt.

Irgendwann entschließt sich dein Organismus, den Transformationsprozess zu diesem belastenden Ereignis in Gang zu setzen. Dieser Zeitpunkt lässt sich von außen nicht beeinflussen. Das ist insofern gut, als dass der Organismus selbst am besten weiß, wann er über ausreichend Strategien verfügt, um das belastende Ereignis zu verarbeiten.

Der erste Schritt ist also die Erkenntnis. Das bedeutet, dass dir bewusst wird, was du erfahren musstest. Wenn du zumindest lückenhaft von einem belastenden Ereignis weißt, dann beginnen sich die Lücken immer mehr zu schließen und du erinnerst dich an immer mehr Details.

2. Phase: Verdrängung

Solch ein belastendes Ereignis ist mit einer Reihe unangenehmer Gefühle verbunden, die damals entstanden sind und noch in dir schlummern. Doch es ist noch nicht ganz an der Zeit, sie zu fühlen. Deshalb wirst du auf die hervor gebrochenen Erkenntnisse zunächst mit einer Das-kann-doch-nicht-sein-Haltung reagieren. Ihr Organismus verschafft sich auf diese Weise noch eine kleine Pause, um Kraft zu sammeln, bevor die emotionale Welle heran gerollt kommt.

3. Phase: Angst

Und nun geht es los: Die angestauten Emotionen beginnen langsam aufzubrechen.

Das erste Gefühl, das oftmals kommt, ist die Angst. Die bisherige Sicherheit geht zunehmend verloren und am Angenehmsten wäre es, wieder einen Rückzieher zu machen, weil das, was da kommt, bedrohlich erscheint. Angst fühlt sich immer eng an. Aber wenn du es schafft, durch die Angst hindurch und auf die Unsicherheit zuzugehen, dann wird sich hinter der beklemmenden Enge nach und nach eine ungeahnte Weite und Freiheit auftun.

4. Phase: Wut

Hast du dich durch die Angst hindurch gearbeitet, wird als nächstes die Wut zu Tage treten.

Wie alle der aufbrechenden Gefühle ist auch die Wut ein altes Gefühl. Das heißt, sie ist damals entstanden und du fühlst die Wut stellvertretend für zum Beispiel das kleine Mädchen, das du während der gemachten Erfahrung warst.

Die Wut gilt der Person, die ihr die schlimme Erfahrung angetan hat. Mit ihr signalisierst du: ‚Du hast hier meine Grenzen übertreten und mir Furchtbares angetan. Ich bin sauer auf dich, weil ich nicht wollte, dass du meine Grenzen derart verletzt.‘

Die Wut ist eine mächtige Kraft und wenn sie sich zeigt, hast du ein Übermaß an Energie. In einem geschützten Raum könntest du das Übermaß an Energie loswerden. Du könntest dich zum Beispiel an einem Kissen abreagieren oder in einen Boxsack boxen. Auch Ausdauersportarten wie Fahrrad fahren oder laufen eignen sich gut, um Energie abzubauen. Solltest du allerdings unter Untergewicht leiden, ist an dieser Stelle große Vorsicht geboten.

5. Phase: Trauer

Nachdem das Energielevel während der Wut ganz oben war, wird es nun langsam aber kontinuierlich nach ganz unten sinken. Die Trauer kommt. Dies ist die letzte Emotion, die sich zeigen will. An diesem Tiefpunkt des gesamten Transformationsprozesses kann es tröstlich sein, zu wissen, dass es nun bald geschafft ist.

Trauer ist dafür da, um Altes loszulassen. Indem du sie zulässt und fühlst, schließt du Frieden damit, dass die Sache anders gelaufen ist, als du es dir gewünscht hättest. Und mit den Tränen fließt das belastende Ereignis nun endgültig davon.

Wichtig ist, dass du dich mit deiner Trauer angenommen fühlst. Denn auf diese Weise kannst auch du einfacher annehmen, was gerade angenommen werden will. Außerdem erreichst du nun den Punkt in deinem Transformationsprozess, an dem es bald geschafft ist.

6. Phase: Integration

Ab jetzt geht es wieder aufwärts. Das Erlebnis von damals ist in dein Bewusstsein aufgestiegen und alle in dem Zusammenhang stehenden Emotionen, die noch im Organismus gespeichert waren, haben nun diesen verlassen.

Die Phase der Integration ist eine Phase der Erschöpfung. Der Organismus hat in letzter Zeit viel geleistet, indem er das belastende Ereignis verarbeitet hat. Und nun braucht er Ruhe und Zeit, um das Erlebnis für sich so einzuordnen, damit es komplett abgeschlossen werden kann. Du brauchst sozusagen noch etwas Zeit, um dich zu sortieren.

Wenn du magst, kannst du dir in solch einer Situation von deiner Begleiterin die Hand halten lassen und dadurch ihre Präsenz auch auf sehr körperliche Weise spüren.

In dieser Phase kann es auch sein, dass du ein erhöhtes Schlafbedürfnis hast. Dies gestehe dir bitte zu, denn im Schlaf passiert viel an Integrationsarbeit.

7. Phase: Dankbarkeit

Und nun ist es geschafft. Du hast die Phasen der Bewusstwerdung und der emotionalen Verarbeitung durchlaufen, das Ereignis wurde gut einsortiert und ab jetzt bist du wieder frei für das, was das Leben ab jetzt für dich bereit halten will.

Wenn diese Stufe erreicht ist, wird sich Dankbarkeit einstellen, dass das schlimme Erlebnis überstanden ist und du daran sogar noch wachsen konntest. Und nun wird dir mehr Energie zur Verfügung stehen als vor dem Prozess.

Es ist also eine Phase zum Genießen und Feiern. Denn du und dein Organismus haben Großes geleistet!

Eure Stimmen

Danke für eure liebevollen Rückmeldungen!

Einen Riesen-Respekt dir, du hast eine wundervolle Art zu schreiben und dich zu zeigen... 🙂

Conni Schallenberg