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Systemische Arbeit

Große Fortschritte in der Arbeit mit Betroffenen und Familien brachte die systemische Arbeit. In den systemischen Ansätzen geht man davon aus, dass alles miteinander verbunden ist. Und dass alles einen Sinn ergibt, sobald es im Zusammenhang betrachtet wird.

Das bedeutet, dass eine Betroffene nicht als eine Einzelperson gesehen wird, die ein Problem hat. Stattdessen wird sie in den Kontexten, in denen sie lebt, wahrgenommen. Denn das Umfeld einer Betroffenen hat dazu beigetragen, dass die Symptomatik, also die Essstörung, entstehen konnte. Und solange sich die Rahmenbedingungen nicht ändern, tragen sie dazu bei, dass die Symptomatik weiterhin aufrecht erhalten bleibt. Würde sich der Kontext hin zum Positiven verändern, so hätte das auch positive Auswirkungen auf die Betroffene. Schließlich ist alles mit allem verbunden.

Betrachten wir nun eine Familie, in der eine Essstörung aufgetreten ist, dann wird deutlich, dass das gesamte System aus der Balance geraten ist. Nun ist es so, dass Systeme immer nach Gleichgewicht (Homöostase) streben. Deshalb hat eine der Personen die Essstörung entwickelt – ein verzweifelter Versuch, eine Art neues Gleichgewicht herzustellen. Sie ist somit zur Symptomträgerin geworden, die alle Beteiligten darauf aufmerksam machen möchte, dass sich etwas verändert hat und irgendwie nicht mehr stimmt.

Der folgende Animationsfilm verdeutlicht auf sehr schöne Art und Weise das Zusammenspiel innerhalb eines Systems, indem er zeigt, warum sich die kleinste Veränderung einer Person auf ausnahmslos alle Beteiligten auswirkt. Außerdem wird klar, was passiert, wenn das System immer weiter aus der Balance gerät.

Was ist in dem Video passiert?

Zu Beginn des Videos ist ein System, eben zum Beispiel eine Familie, zu sehen, in dem die Mitglieder des System relativ nah beieinander stehen. Auf die Realität übertragen könnten das die Jahre sein, in denen die Kinder klein sind und alle recht eng beieinander sind.

Doch irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem der Wunsch nach Autonomie größer wird. Die Teenagerjahre brechen an. Ein Mitglied, vermutlich die Jugendliche, macht einen ersten Schritt in Richtung Autonomie. Die anderen Familienmitglieder folgen, um das Gleichgewicht innerhalb des Systems aufrecht zu erhalten. Es folgt ein weiterer Schritt in Richtung Freiheit und noch ein weiterer, wobei immer alle anderen folgen. Doch irgendwann kommen sie an eine Grenze, an der keine weiteren Schritte hin zu mehr Autonomie möglich sind. Die Figuren haben die Rand der Platte, auf der sie stehen, erreicht.

Doch auch wenn es nicht mehr weiter geht, so ist der Wunsch nach mehr Freiheit weiterhin da. Da er nicht realisierbar ist, versuchen die Beiteiligten Kontakt zu dieser Freiheit, nach der sie sich sehnen, aufzunehmen, indem sie ihre Angeln auswerfen.

Eine der Personen hat einen Fang gemacht und zieht nun eine geheimnisvolle Kiste als weiteren Faktor in das System. Diese Kiste könnte die Essstörung symbolisieren.

Und nun beginnen alle, sich auf diese neue Errungenschaft zu fokussieren und sich mit ihr zu beschäftigen. Im Grunde genommen gibt es bald nichts anderes mehr, denn ausnahmslos alle Aufmerksamkeit ist auf das neu in das System geholte Etwas gerichtet. Und jeder versucht irgendwie, die Macht darüber zu erlangen. Auf diese Weise lenken sich die Mitglieder wunderbar ab und vergessen ihren großen Wunsch nach Freiheit.

Doch das System gerät immer weiter aus den Fugen und in immer schnellerem Tempo spitzt sich die Dynamik zu. Zunehmend geraten alle Beteiligten in Panik. Nach und nach verliert jeder die anderen aus dem Blick und es geht nur noch darum, Macht über die Errungenschaft zu bekommen und die eigene Haut zu retten. Dabei wird immer stärker deutlich, wie sehr das ganze Gefüge aus der Balance geraten ist.

Und solange nicht wenigstens eine der Beteiligten inne hält und etwas verändert, wird es immer mehr eskalieren, bis schließlich alle abstürzen. In dem Video ist es schließlich eine Person, die als einsamer, vollkommer handlungsunfähiger Sieger aus der ganzen Situation hervor geht.

Doch letztendlich haben alle verloren…

Wie könnte es anders gehen?

ststtNsun ist das Ergebnis des Videos alles andere als anstrebenswert. Deshalb stellt sich die Frage, wie es anders gehen könnte.

Im Grunde genommen geht es darum, dass das gesamte System nicht immer weiter aus der Balance gerät. Ziel ist es, Ruhe in die immer schneller werdende Dynamik zu bekommen und sich erst einmal zu besinnen. Um dann anschließend nach neuen Handlungsmöglichkeiten zu suchen. Doch diesen Schritt können nur die Personen machen, die zu dem System gehören.

Dabei hat jedes Familienmitglied die Möglichkeit, den ersten Schritt zu machen und für sich selbst Verantwortung zu übernehmen. Denn sobald sich eine Person verändert, hat das Auswirkungen auf das gesamte System.

Da die einzige Person, die du in deinem Familiensystem verändern könntest, du selbst bist, ist es deine Aufgabe, zu dir selbst zu finden. Das kannst du erreichen, indem du aus dem Spiel, bei dem sich alles um das geheimnisvolle Etwas (oder eben die Essstörung) dreht, aussteigst. Das heißt, du wendest dich dir selbst zu und schaust, was du brauchst, damit es dir innerhalb deiner Familie gut geht. Es geht also darum, den Blick vom Außen abzuwenden und nach innen zu richten. Sobald du dich in deinem Inneren sortierst und dadurch selber ruhiger wirst, wird sich diese Ruhe auf das gesamte System übertragen. Denn wie zu Beginn des Videos sehr schön sichtbar war, macht jede Intervention einer einzigen Person etwas mit dem gesamten System.

Und was ist mit der Autonomie? Wenn du und somit jedes Familienmitglied ruhiger wirst dann könnt ihr eure Blicke dafür öffnen, welche Handlungsmöglichkeiten euch noch zur Verfügung stehen. Und dann werdet ihr sicher entdecken, dass es – um in dem Bild des Videos zu bleiben – über euch eine weitere, größere Ebene gibt, auf der jedem mehr Autonomie zur Verfügung steht. Ihr könnt also gemeinsam auf die nächst höhere Ebene wechseln.

Systemische Angebote

An dieser Stelle sollst du noch eine Übersicht über mögliche Angebote der systemischen Arbeit bekommen.

Systemische Beratung/systemische Therapie

Eine systemische Beratung oder eine systemische Therapie kann eine Einzelperson in Anspruch nehmen. In diesen geht es zunächst darum, Zusammenhänge zu erkennen und sich diese bewusst zu machen. Der nächste Schritt beinhaltet, dass die Ratsuchende aus den bestehenden, ungesunden Dynamiken auszusteigt, indem sie sich selbst verändert. Denn wie du schon weißt: Alles ist miteinander verbunden und sobald sich ein Mitglied des Systems verändert, verändert das automatisch das gesamte System.

Familientherapie

An einer Familientherapie nimmt die gesamte Familie teil. Der Therapeut deckt gemeinsam mit den Familienmitgliedern unbewusst auflaufende Muster auf und arbeitet an einer Veränderung. Die einzelnen Sitzungen finden in größeren Abständen, etwa alle sechs bis acht Wochen, statt. Denn es wird davon ausgegangen, dass die größten Veränderungen nicht während der Therapiestunde sondern in der Zeit zwischen den Stunden geschehen.

Familienaufstellung

Bei Familienaufstellungen kommen Interessierte, die sich nicht unbedingt kennen müssen, zusammen. Stellt einer der Teilnehmenden seine Familie auf, so wählt er aus der Gruppe Menschen aus, welche die einzelnen Familienmitglieder repräsentieren. Der Aufstellende ordnet die Repräsentanten nach dem inneren Bild über seine Familie, das er gerade in sich trägt, an. Durch die Haltung und die Abstände der einzelnen Personen wird sehr schnell deutlich, welche Themen innerhalb der Familie liegen.

Eure Stimmen

Danke für eure liebevollen Rückmeldungen!

Einen Riesen-Respekt dir, du hast eine wundervolle Art zu schreiben und dich zu zeigen... 🙂

Conni Schallenberg