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Körperarbeit

Die Körperarbeit wird bei essmo einen besonderen Raum einnehmen. In den nächsten Jahren möchte ich erforschen, wie Berührungen Betroffene auf ihrem Weg aus der Essstörung unterstützen können. Im Anschluss möchte ich daraus meine eigene, körperorientierte Methode zur Begleitung von Frauen mit Essstörungen entwickeln.

Deshalb soll es an dieser Stelle ein paar erste Überlegungen geben, in welche Richtung die Reise gehen wird:

Berührung als ganzheitlicher Ansatz der Begleitung

Es ist ein Grundbedürfnis eines jeden Menschen, dass sein Gegenüber ihn wahrgenimmt, sieht und in der Tiefe berührt. Wenn dies im übertragenen Sinne geschieht, so kann dies eine wunderbar heilsame Erfahrung sein, die viel in Bewegung bringt.

Wer aber schon einmal erlebt hat, in einer Zeit der Traurigkeit, der Angst und der Verzweiflung nicht nur im übertragenen, sondern auch im körperlichen Sinne berührt zu werden, der weiß, um wie viel ganzheitlicher und runder sich das anfühlt. Eine Berührung, die auf geistiger, seelischer sowie körperlicher Ebene geschieht, fühlt sich sehr vollkommen an und deren Wirkung lässt sich nicht in Worte fassen. Es ist nicht nur das Gefühl, rundum gesehen und wahrgenommen zu werden. Auch führt eine Berührung auf allen drei Ebenen dazu, dass diese wieder ein stückweit mehr zusammen wachsen.

Berührung als Ansatz für schnellere Erfolge

Dass die Arbeit lediglich auf rein kognitiver Ebene sehr kräftezehrend und langwierig ist, spricht sich so langsam herum. Die Themen sitzen im Körper und lassen sich auch nur über diesen heraus lösen.

Ich selbst durfte auf meiner eigenen Reise eine sehr faszinierende Erfahrung machen, die viel in mir bewegt hat:

Etwa drei bis vier Tage lang war ich vollkommen aus meiner inneren Mitte gerissen. All die mir zur Verfügung stehenden Strategien, um wieder bei mir anzukommen, halfen in dieser Zeit nichts. Durch eine einzige Umarmung voller Präsenz von etwa einer Minute Dauer, eingebettet in eine kurze Fünf-Minuten-Begegnung, fand ich wieder in mein inneres Gleichgewicht zurück. Mehr noch: Sehr gestärkt und voll neuer Kraft ging ich in meinen Alltag zurück.

Diese beeindruckende Erfahrung warf bei mir die Frage auf, ob wir uns viele Stunden Gespräch sparen könnten, wenn wir uns intensiver dem Körper zuwenden würden.

Berührung als Ansatz zum Nachholen fehlender, elementarer Erfahrungen

Kommt ein kleines Menschenwesen auf die Welt, so sucht es sofort die Nähe der ihm vertrautesten Person: der Mutter. Auch während der folgenden, ersten Lebensmonate ist die Haut das wichtigste Sinnesorgan, über welche das Baby elementare Erfahrungen sammelt. Außerdem ist es für eine gesunde Entwicklung erforderlich, dass seine Bezugsperson während des ersten Lebensjahres seine Bedürfnisse augenblicklich erkennt und stillt.

Machen wir uns nun bewusst, wie tief die Metaphorik in die Seele eines Menschen blicken lässt, so wird sehr schnell klar: Frauen, die ein Thema mit Ernährung haben, haben auch das Thema, als Baby nicht ausreichend genährt worden zu sein. Ihr nicht zu stillender Hunger lässt darauf schließen, dass bereits während der ersten Lebensmonate ihre Bedürfnisse nach Nähe und Zuwendung nicht ausreichend gestillt worden sind.

Über Berührung lassen sich viele der fehlenden Erfahrungen aus den frühsten Jahren nachholen. So kann es eine nicht in Worte zu fassende, wunderschöne, nachnährende Erfahrung sein, wenn eine andere Person einen über eine längere Zeit einfach nur im Arm hält und wiegt.

Berührung als Ansatz zur Schulung der Körperwahrnehmung

Essstörungen, insbesondere die Magersucht, gehen mit einer starken Körperwahrnehmungsstörung einher. Betroffene haben den Bezug zu ihrem eigenen Körper vollkommen verloren und nehmen sich als viel dicker wahr, als sie in Wirklichkeit sind.

An dieser Stelle liegt es nahe, mit Körperwahrnehmung und Wahrnehmungsübungen zu arbeiten. Berührung kann dabei zu einem wichtigen Werkzeug werden. Durch diese spüren Betroffene ganz real, wo ihr eigener Körper endet und der Körper einer anderen Person beginnt. Denn körperliche Fähigkeiten lassen sich nicht über Worte ausprägen, sondern nur über körperliche Erfahrungen.

Berührung in der Begleitung von Frauen mit sexuellen Traumata

Die starke Ablehnung der eigenen Weiblichkeit bei Essstörungen sprechen dafür, dass es zu starken Verletzungen im Bereich der Weiblichkeit gekommen ist. Dies können sexuelle Übergriffe und Missbrauchserfahrungen, aber auch starke Angriffe auf das Frausein sein.

Nun ist der körperliche Ort, in dem die Weiblichkeit angesiedelt ist, der Intimbereich. Das bedeutet, dass die Verletzungen an dieser Stelle im Körper gespeichert und in Form von Verhärtungen, Verspannungen und Blockaden im Imtimbereich auch rein körperlich fühlbar sind.

Auch hier kann die Arbeit über Berührungen ansetzen. Über achtsame Massagen, die in eine auf Vertrauen basierende Beziehung eingebettet sind und die durch ausführliche Vorgespräche vorbereitet werden, lassen sich diese Blockaden und Themen auf sehr sanfte und behutsame Weise auflösen und Betroffene können neue, positive, sinnliche Erfahrungen sammeln.

Eure Stimmen

Danke für eure liebevollen Rückmeldungen!

Einen Riesen-Respekt dir, du hast eine wundervolle Art zu schreiben und dich zu zeigen... 🙂

Conni Schallenberg