Trauma

Essstörungen sind häufig eine Folge von Traumatisierungen.

Haben Betroffene auf ihrem Lebensweg Erfahrungen machen müssen, die zu heftig für sie waren, so werden diese zum Trauma. Das äußert sich darin, dass das Erlebnis den Frauen auch noch Jahre später in den Knochen steckt und sie daran hindert, ihr Leben unbeschwert zu genießen.

Ich möchte dir erklären, wie ein Trauma entsteht und wie es sich wieder auflösen lässt.

Die Überlebensmechanismen Flucht, Kampf …

Wir alle erleben in unserem Leben Situationen, die eine Gefahr darstellen. In solchen Stresssituationen reagiert der Körper sofort, indem er Energie ausschüttet, um dem bedrohlichen Ereignis begegnen zu können.

Nun sind wir Menschen von Natur aus mit drei Überlebensstrategien ausgestattet, von denen bei Gefahr eine reflexartig greift: Flucht, Kampf und Erstarrung. Das bedeutet, dass die ausgeschüttete Energie dafür genutzt wird, um eine der drei Strategien anzuwenden.

Schauen wir uns zunächst die Flucht und den Kampf an:

  • Flucht: Gehen wir über die Straße und dicht vor uns taucht ein Auto auf, das wir nicht gesehen haben, so nehmen wir die Beine in die Hand, um schnell auf den Fußweg zu rennen. Oder wir beginnen zu fliehen, wenn wir bei einem Waldspaziergang im Frühling von einer Horde Wildschweine überrascht werden.
  • Kampf: Beginnt die hübsche Nachbarin von gegenüber, den Liebsten zu umtänzeln, so wird vermutlich selbst die netteste Frau die Krallen ausfahren, um ihren Schatz zu verteidigen. Oder bittet der Familienvater um eine Gehaltserhöhung beim Chef, schlägt dieser die Bitte aber aus, wird der Vater vermutlich noch fleißiger arbeiten. Er kämpft, um seinen Vorgesetzten doch noch zu überzeugen.

Die freigesetzte Energie wird also dafür genutzt, um entweder vor der Gefahr zu fliehen oder um sie im Kampf zu besiegen. Ist die Gefahr vorüber, fährt der Körper wieder in den Normalzustand zurück und das Leben kann weiter gehen.

Solche Situationen sind zwar anstrengend, hinterlassen aber keine Spuren, da die freigesetzte Energie während der Flucht oder des Kampfes komplett aufgebraucht wird und der Mensch dadurch mit dem Ereignis abschließt.  Trauma 01

… und Erstarrung oder Wie ein Trauma entsteht

Nun gibt es aber auch Ereignisse, bei denen Flucht oder Kampf sinnlos ist. Und in denen greift die dritte Überlebensstrategie:

  • Erstarrung: Als Kind ist es nicht möglich, vor den Eltern zu fliehen oder gegen sie zu kämpfen, auch wenn sie dem Kind körperliche oder seelische Gewalt antun. Ein Kind ist zum einen den Erwachsenen kräftemäßig unterlegen. Und zum anderen könnte es eh nicht weg, da es auf seine Eltern angewiesen ist. Aber auch bei anderen Erlebnissen wie zum Beispiel einem Unfall, einer Operation oder einer sexuellen Missbrauchserfahrung kommt es zu diesem Überlebensreflex.

Während der Erstarrung passiert nun Folgendes: Der Körper hatte ja große Mengen an Energie freigesetzt, um der Gefahr begegnen zu können. Kommt es aber weder zum Kampf noch zur Flucht, so wird die Energiemenge eingefroren. Es kommt zur Erstarrung.

Das ist ein Schutzmechanismus des Körpers. Denn in diesem Zustand fühlt der Mensch kaum noch etwas und bekommt nicht mehr mit, was mit ihm passiert. Er ist quasi wie betäubt, um nicht zu spüren, wie das bedrohliche Ereignis über ihn herein bricht.

Ist die Gefahr vorüber, könnte er theoretisch seinen Weg unbeschwert fortsetzen.

Das geht aber nicht. Denn die großen Energiemengen, die freigesetzt worden waren, verbleiben im Körper. So signalisiert dieser weiterhin, dass eine Bedrohung da ist und der Mensch bleibt in diesem „Achtung! Gefahr!“ – Modus hängen.

Das Erlebnis ist zum Trauma geworden.

Wie ein Trauma aufgelöst werden kann

Doch der menschliche Körper ist auf Heilung aus. Das heißt, er hat von sich aus ein Interesse daran, die eingefrorenen Energiemengen und somit das Trauma wieder loszuwerden.

Es kommt der Zeitpunkt, an dem er die eingefrorene Energie wieder auftaut. Sie beginnt im Körper zu zirkulieren und wartet darauf, aufgebraucht zu werden. Das kann zum Beispiel anhand von körperlicher Betätigung wie zum Beispiel Rennen oder Boxen passieren. Die Flucht oder der Kampf wird sozusagen noch nachgeholt.

Sobald diese Energie verbraucht ist, kommt es zur Entspannung. Der Körper registriert also, dass die Gefahr vorüber ist. Und das bedeutet, dass das Trauma den Körper verlassen hat und das Leben normal weiter gehen kann.  Trauma 02