Kopf, Herz & Körper

Zu jedem Menschen gehören ein Kopf, ein Herz und ein Körper. Ich möchte dir erklären, warum es so wichtig ist, dass sie sich miteinander im Gleichgewicht befinden, was passiert, wenn ein Ungleichgewicht entsteht, und was du konkret tun kannst, um zurück in eine gesunde Balance zu finden.

Ein Mensch, der sich mit sich und der Welt im Lot befindet, hat gleichermaßen einen liebevollen Zugang zu seinem Kopf, seinem Herzen und seinem Körper. Alle drei werden mit dem, was sie mitzuteilen haben, beachtet und keine dieser drei Komponenten spielt sich in den Vordergrund.Kopf, Herz & Körper im Gleichgewicht

Bei Frauen, die eine Essstörung entwickeln, passiert nun Folgendes: Der Kopf übernimmt die Regie und wird dominanter und dominanter. Das äußert sich zum Beispiel durch nicht enden wollende Gedankenschleifen und dadurch, dass betroffene Frauen absolut verkopft sind. Dadurch, dass sich der Kopf eine Machtposition erobert, verlieren das Herz und der Körper an Mitspracherecht und rücken immer weiter in den Hintergrund. Es entsteht also ein Ungleichgewicht.Kopf, Herz & Körper im Ungleichgewicht

Nun strebt der Organismus – also das Zusammenspiel von Kopf, Herz und Körper – aber immer nach Gleichgewicht. Das bedeutet, es braucht eine vierte Komponente, um das zunehmend entstehende Ungleichgewicht wieder auszugleichen. Und jetzt kommt die Essstörung ins Spiel. Denn eine Frau, bei der das Miteinander von Kopf, Herz und Körper zunehmend aus der Balance gerät, holt sich eine Essstörung mit ins Boot, um ein neues Gleichgewicht herzustellen.Kopf, Herz & Körper mit einer Essstörung als Ausgleich

Und genau aus diesem Grund ist deine Essstörung momentan da. Du brauchst sie, um innerlich zumindest halbwegs im Lot zu bleiben.

Die gute Nachricht dabei ist: Sobald es dir gelingt, deinen Kopf von seiner Machtposition runter zu holen und dein Herz und deinen Körper mit ihren Bedürfnissen zu stärken, wird sich nach und nach wieder das alte Gleichgewicht herstellen und die Essstörung wird überflüssig.Kopf, Herz & Körper im Gleichgewicht

Dein Kopf …

… nimmt eine ganz schön dominante Rolle ein. Du wirst die Situationen, in denen die negativen Gedanken kreisen und kreisen, mehr als gut kennen.

Was in diesen Momenten passiert: Dein Kopf spielt sich derart auf, dass der letzte, kleine, vorhandene Draht zu Herz und Körper komplett abreißt und du nur noch im Kopf unterwegs bist. Um in diesen Situationen die Verbindung nach unten wieder herzustellen und dadurch Herz und Körper zu stärken, solltest du Dinge tun, die dein Herz berühren und deinen Körper ansprechen.

Das kann zum Beispiel Folgendes sein:

  • ein Ausflug in die Natur
  • Zeit, die du mit lieben Menschen verbringst
  • Musik, bei der dir warm ums Herz wird
  • wohltuende Gerüche
  • das Eintauchen in den Flow kreativer Schaffensprozesse
  • Ausdauersportarten (Bei Untergewicht bitte Vorsicht!)

Also, in Grübelmomenten bringt es nichts, noch weiter zu grübeln, denn das würde deinen Kopf nur noch größer werden lassen. In diesen Situationen heißt es: Aktiv werden, um etwas zu tun, bei dem dein Kopf mal Pause machen kann.

Dein Herz …

… benötigt mehr Mitspracherecht, wenn du wieder in Balance kommen willst.

Es sendet in jeder Situation Botschaften, was ihm gerade gut tun würde: „Ich würde jetzt gerne dieses oder jenes tun.“ Doch der Kopf ist mit seinen Forderungen so laut, dass er mit seinem „Du musst jetzt noch das und das machen“ die leise Herzensstimme übertönt und somit in den Hintergrund drückt.

Du kennst das vielleicht, dass dir nach einem stressigen Tag eigentlich ein entspannter Abend mit einem Buch in der Badewanne gut tun würde, aber … Da gibt es noch so viel, was zu tun ist. Und anstatt auf dein Herz zu hören und dir einen gemütlichen Abend zu gönnen, rackerst du weiter.

Deshalb heißt es: Genau hinhören, was das Herz gerne möchte und seinen Wünschen mehr Platz einräumen, damit es wieder stärker wird.

Dein Körper …

… will auch mehr gehört werden. Denn auch im Verhältnis zu ihm ist der Kopf so dominant, dass die Bedürfnisse des Körpers kaum eine Rolle spielen. Doch auch das ist wichtig, um das gesunde Gleichgewicht wieder herzustellen.

Deshalb:

  • bei Stress → Ruhe zum Entspannen
  • bei Hunger → Essen
  • bei Müdigkeit → Schlaf
  • bei Krankheit → Zeit zum Genesen
  • bei Lethargie → Bewegung

Ich weiß, dass Frauen mit einer Essstörung oftmals sehr hart mit ihrem Körper umgehen und sehr viel von ihm fordern. Aber genau das ist kontraproduktiv, denn das Gegenteil würde helfen: Je liebevoller du mit deinen körperlichen Bedürfnissen umgehst, desto eher wirst du zu einem gesunden Gleichgewicht zwischen Kopf, Herz und Körper zurück finden. Und dann wird die Essstörung als Ausgleichskomponente überflüssig werden.