Gefühle

Emotionen gehören zu einem jeden Menschen dazu. Sie entstehen als Reaktion auf das, was wir so tagtäglich erleben und warten darauf, gefühlt zu werden. Denn dadurch, dass ein aktuelles Gefühl zugelassen und durchlebt wird, löst es sich auf und verschwindet für immer.

Bei Frauen mit einer Essstörung läuft es ein wenig anders: Auch in ihnen entstehen natürlich Gefühle. Da die Frauen aber als Kind nicht lernen durften, sie zuzulassen, drücken sie diese weg. Die Gefühle können also nicht raus und beginnen, sich im Inneren anzustauen. Je mehr sich nun anstaut, desto größer wird der innere Druck – die Emotionen drängen ja darauf, endlich raus zu dürfen.

Wenn dann der innere Druck so groß geworden ist, dass es die betroffenen Frauen nicht mehr aushalten, dann kommt ihnen die Essstörung zu Hilfe. Denn über das Essen, das Nicht-Essen oder das Essen-und-Erbrechen lassen sich Emotionen wunderbar regulieren, indem der angestaute Gefühlsdruck entweder nicht mehr gefühlt werden muss oder mit dem nächsten Ess-Brech-Anfall die Toilette runter gespült wird. Die Essstörung ist also nichts anderes als eine Strategie zur Bewältigung von Emotionen.

Die Natur als Lehrmeister

Doch auch, wenn du als Kind nicht lernen durftest, wie du auf gesunde Weise mit deinen Gefühlen umgehen kannst und welche es überhaupt gibt, musst du nicht Opfer deiner Vergangenheit bleiben. Denn du kannst dir diese Fähigkeit und dieses Wissen auch noch nachträglich aneignen.

Wie lässt sich also etwas über Gefühle lernen?

Ein Lehrmeister kann hilfreich sein. Also jemand, der in der Lage ist, seine Emotionen gut auszudrücken und von dem du dir viel abgucken kannst. Das muss nicht unbedingt ein Mensch sein.

Nein, auch von der Natur lässt sich viel über Gefühle lernen. Denn in der Natur darf jede Stimmung da sein und so kann sie ein wunderbares Vorbild für die vorhandene Vielfalt darstellen.

Ist dir schon einmal aufgefallen, auf wie eindrückliche Weise die Natur sich ausdrückt? Da ist…

Ganz schön viele Stimmungen, die es da in der Natur gibt, nicht?!

  • Angst
  • Besorgnis
  • Dankbarkeit
  • Erleichterung
  • Faszination
  • Fröhlichkeit
  • Hoffnung
  • Melancholie
  • Nervosität
  • Neugier
  • Ruhe
  • Traurigkeit
  • Unbeschwertheit
  • Ungeduld
  • Unklarheit
  • Verwirrung
  • Verzweiflung
  • Wut
  • Zerbrechlichkeit
  • Zufriedenheit
  • Zuversicht

Und so wie die Stimmungen der Natur wollen auch all deine Emotionen da sein und gefühlt werden. Denn jede Stimmung und jedes Gefühl hat seinen Sinn und seine Funktion.

Und was bedeutet das für deine Essstörung?

Sobald du es schaffst, die entstehenden Emotionen zu erkennen, zuzulassen und zu fühlen, entsteht ein Fluss, ohne dass sich unnötig Druck anstaut. Und dann wird die Essstörung als Bewältigungsstrategie überflüssig werden.