Die Weisheit des Körpers

Ich erzähle dir mit Sicherheit überhaupt nichts Neues, wenn ich schreibe, wie sehr Frauen mit Essstörungen mit ihrem Körper auf Kriegsfuß stehen. Vermutlich wirst auch du ihn eher verabscheuen. Immer wieder an ihm herum kritisieren. Ja, ihn vielleicht sogar abgrundtief hassen.

Diese Ablehnung des eigenen Körpers gehört zu einer Essstörung einfach mal dazu. Leider. Und gleichzeitig ist es so schade. Denn der Körper trägt so eine große Weisheit in sich, dass wir ihm eigentlich nur dankbar dafür sein können, was er uns alles zeigen und sagen kann – sofern wir bereit sind, ihm zuzuhören.

Hast du Lust, die Sprache des Körpers etwas mehr verstehen zu lernen? Dann lies mal weiter.

Wie dein Körper mit dir kommunizieren will

Du kennst das sicher: Da fällt auf Arbeit gefühlt ein Drittel des Teams aus und die verbleibenden Kollegen und du, ihr gebt wirklich alles, um den Laden noch am Laufen zu halten. Irgendwie müssen ja die vielen Ausfälle kompensiert werden. Doch es dauert keine drei Tage und auch dir kratzt es im Hals. In deiner Nase nistet sich ein gemeiner Schnupfen ein. Und du schleppst dich nur noch mit letzter Kraft auf Arbeit.

Ich weiß, dass dies eine ziemlich unglückliche Situation ist. Und dass die Entscheidung für oder gegen eine Krankschreibung in diesem Fall mit dem ohnehin schon sehr geschrumpften Team wirklich nicht leicht fällt. Doch mir geht es jetzt nicht um die richtige oder falsche Entscheidung. Vielmehr möchte ich dich für die Sprache des Körpers sensibilisieren.

Denn der Körper sagt in diesem Moment: „Stopp! Mir wird das jetzt zu viel! Ich brauche eine Pause und Zeit, um mich zu erholen.“ Der Körper sendet diese Signale. Und ich denke, die allermeisten Menschen wissen auch, dass es sinnvoll wäre, ihm jetzt Ruhe zu gönnen. Und trotzdem gehen sie immer wieder über diese Grenze hinaus. Vielleicht werfen sie sich noch ein paar Medikamente ein. Aber das letztendlich nur, um doch wieder und noch länger zu funktionieren.

Aber Halt nochmal! Der Körper hatte doch signalisiert, dass er gerade Ruhe und eben nicht noch mehr Anstrengung und noch mehr Funktionieren-Müssen braucht.

Ich weiß, dass es immer wieder Situationen gibt, in denen es wirklich nicht einfach ist, auf die Bedürfnisse des Körpers zu hören. Weil eben noch so viele andere Faktoren mit rein spielen. Aber ich möchte dich feinfühlig dafür machen, dass es dein Körper gut mit dir meint. Und dass dir seine Warnsignale nur eins verdeutlichen wollen: „Hey, du gehst gerade über deine Grenzen hinaus. Und dadurch trägst du dazu bei, dass du noch weiter aus dem Gleichgewicht gerätst.“

Deshalb überleg doch mal, ob du nicht doch mehr Gelegenheiten hast, um auf deinen Körper zu hören, als es vielleicht im ersten Moment scheint.

  • Wenn du krank wirst und dein Körper Zeit zur Erholung braucht, dann lass dich ruhig so lange krank schreiben, bis du wirklich wieder gesund bist.
  • Wenn du dir einen neuen Job suchst, dann frag dich doch mal, ob es wirklich nochmal eine Beschäftigung im Schichtdienst sein muss. Oder ob dir dein Körper mit dem vollkommen durcheinander gewürfelten Biorhythmus und den damit einhergehenden Symptomen im letzten Schichtdienstjob nicht wichtige Botschaften gesendet hat.
  •  Oder wenn du schon seit einer Woche von morgens bis abends unterwegs bist und merkst, wie deine Nackenmuskeln immer verspannter werden, dann schau ruhig mal, ob du kommende Termine nicht einfach absagst oder auf später verschiebst, damit du nun erstmal Gelegenheit hast, um nach der Daueraktivität etwas runter zu fahren.
  • Wenn du spürst, wie sehr dein Magen nach Essen verlangt, weil du gestern Mittag die letzte Mahlzeit zu dir genommen hast, dann probiere ruhig, diesem nachzukommen. Dein Magen wird es dir danken.
  • Und wenn du merkst, dass du abends um acht müde bist, dann geh einfach ins Bett und schlaf deine 12 Stunden. Du wirst supererholt am nächsten Morgen aufwachen.

Bei was dir dein Körper helfen will

Denn weißt du was? Auch dieses Hören auf die Signale des Körpers wird dir bei deinem Weg aus der Essstörung helfen.

Wenn du in einer Essstörung steckst, bist du ja ziemlich aus deinem inneren Gleichgewicht geraten. Du agierst nicht aus einer inneren Kraft heraus und gehst immer wieder über deine Grenzen. Und das, obwohl du erstmal selber wieder eine richtig gute Portion Energie gebrauchen könntest, bevor du anderen von deiner Energie etwas abgibst.

Dein Körper kann dir nun helfen, wieder mehr ins innere Gleichgewicht und somit immer mehr in deine Kraft zu kommen. Denn er signalisiert ja, an welchen Stellen ihm etwas zu viel wird und wo seine Grenzen liegen. Indem er krank wird. Indem er Unwohlsein anzeigt. Und indem er im Zweifelsfall vor Schmerzen schreit. Oder indem er dir ganz klar vor Augen führt, dass er nur dann gut funktionieren kann, wenn er regelmäßig mit Nährstoffen versorgt wird. Das sind alles Zeichen, die dir helfen wollen, immer mehr in deine innere Mitte und somit in deine volle Kraft zu kommen.

Und genau dafür wäre es gut und sinnvoll, den Bedürfnissen deines Körpers nachzukommen, wann immer es dir möglich ist.

Es ist ein Weg, auf dem du mit der Zeit immer mehr Handlungsmöglichkeiten entdecken wirst, um auf die Bedürfnisse deines Körpers zu hören. Und du kannst schon heute damit anfangen.

Ich wünsche dir und deinem Körper viel Freude dabei, ein prima Team zu werden.

© Dorothea

P.S.: Du kannst meine Artikel gerne teilen. Wenn du den Text nutzen möchtest, dann kopiere ihn bitte komplett und verlinke darunter meine Homepage www.wege-aus-der-essstoerung.de als Quellenangabe. Danke für diese Win-Win-Situation. 🙂

3 Gedanken zu „Die Weisheit des Körpers

  1. Hallo Dorothea
    Was mache ich aber mit meinen Gedanken in meinem Kopf die nicht zulassen das es mir meinem Körper gut geht.der Kopf ist bei mir das Problem der mir oder sogar das ich mir die nicht zulässt auf meine Bedürfnisse zu hören liebe Grüße Andrea

    1. Du sprichst eine Sache an, die bei ganz vielen Frauen mit einer Essstörung Thema ist: Dass der Kopf das Zepter übernommen hat und dass ihm egal ist, was der Körper braucht. Was mir als Erstes kommt: Du könntest dir in solchen Momenten, wo der Körper ein Bedürfnis äußert und der Kopf dagegen argumentiert, eine Weile Ruhe gönnen. Und in dieser Zeit der Stille spürst du in deinen Körper hinein und nimmst sein Bedürfnis, was er gerade äußert, einfach wahr. Auf diese Weise verbindest du dich immer mehr mit deinem Körper und seinen Bedürfnissen und stärkst seine Stimme dadurch, sodass die Kopfstimme automatisch mehr in den Hintergrund rückt.

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