Der Bewältigungsprozess einer Essstörung

Kennst du das?

  • Da bist du gerade gut im Fluss und denkst, es geht prima voran auf deinem Weg aus der Essstörung. Und auf einmal holt dich die Essstörung wieder ein und nimmt dich fest in ihren Griff.
  • Oder du hast einen bestimmten Meilenstein fast erreicht. Doch plötzlich geht gar nichts mehr und dein Zwischenziel scheint auf einmal unendlich fern.
  • Vielleicht denkst du auch, ein bestimmtes, dich belastendes Thema nun endlich hinter dir gelassen zu haben. Doch es dauert nicht lange und du merkst, dass es immer noch da ist.

Solche Momente sind wirklich zum Verzweifeln. Und vielleicht kommt immer dann, wenn du solche frustrierenden Erfahrungen machst, bei dir die Frage auf, was du falsch machst.

Die Antwort ist schnell gesagt, doch sie wirklich zu verinnerlichen, ist schwer:

Du machst überhaupt nichts falsch. Es ist alles vollkommen okay so, wie es ist.

So möchte ich dich heute mit hinein nehmen, in das unglaubliche Phänomen der Selbstheilungskräfte, über die du von Grund auf verfügst.

Der Prozess der Selbstheilung 01

Vertrauen in die Selbstheilungskräfte des Körpers

Du kannst davon ausgehen, dass dein Körper nach Selbstheilung strebt. Das heißt, dein Körper hat ein Interesse daran, Belastendes wieder los zu werden. In seinem Tempo und auf seine Weise gibt er Themen, alte Emotionen und anderen Ballast frei. Denn auf diese Weise heilt er, was gerade geheilt werden möchte. Und das Beste wäre, ihn bei diesem Prozess nicht zu stören, sondern einfach geschehen lassen, was geschehen will.

Wenn er gerade viel loswird, dann sind das die Phasen, in denen es fließt, in denen du Entwicklungssprünge machst und in denen du dich freust, weil es gut voran geht.

Doch der Bewältigungsprozess einer Essstörung läuft nicht geradlinig. Es gibt neben den effektiven Phasen auch Zeiten, in denen es nicht voran zu gehen scheint, in denen die Essstörung wieder das Ruder übernommen hat und in denen die Zweifel kommen.

Und auch das ist vollkommen okay so. Denn das Leben verläuft nicht geradlinig, sondern zyklisch. Mal geht es besser voran, mal stockt es eher.

Deshalb geht es darum, Vertrauen zu gewinnen in den Prozess an sich und in sein Tempo. Das bedeutet, dass du jede Phase – egal ob es gerade gut läuft oder eben nicht – so annimmst, wie sie ist. Je mehr es dir gelingt, dich diesem zyklischen Geschehen hinzugeben, desto schneller und vor allem desto leichter wirst du an dein Ziel kommen. Es geht also wirklich darum, die Kontrolle abzugeben und keinen Einfluss mehr auf die Geschwindigkeit deines Bewältigungsprozesses nehmen zu wollen.

Denn letztendlich ist es nur eine Illusion, die Geschwindigkeit von Prozessen in der Hand halten zu können. Es geht einfach nicht, denn dein Weg aus der Essstörung braucht die Zeit, die er braucht. Sobald du versuchst, etwas zu beschleunigen oder zu beeinflussen, bremst du diesen natürlichen Prozess aus und behinderst ihn somit nur.Der Prozess der Selbstheilung 02

Wie du diesem Prozess der Selbstheilung folgen kannst

Doch was bedeutet es konkret, mit diesem Prozess mit zu schwimmen?

Zum einen heißt es, das anzunehmen, was gerade ist. Das heißt, einfach geschehen lassen, was geschehen will und nichts zu tun. Wenn es gut voran geht, dann nimmst du es an. Und wenn es gerade stockt oder sogar die Essstörung wieder die Führung übernommen hat, dann nimmst du es auch an. Denn nach einer frustrierenden Phase kommt ganz automatisch wieder eine, in der es gut läuft. Das ist der natürliche Lauf der Dinge. Und mehr noch: Je mehr es stockt, desto größer wird der anschließende Entwicklungsschub sein.

Und dann gibt es in regelmäßigen Abständen Momente, in denen du gefragt bist, aktiv zu werden.

Das kann zum Beispiel sein, dass du merkst, dass du voller Tränen bist, die raus wollen. Wenn du diesen Impuls hast, dann öffne deine Tränenkanäle und lass einfach laufen, was laufen will. Danach wirst du dich unglaublich erleichtert fühlen. Es können auch andere Gefühle wie Wut, Scham oder Angst aufkommen, die darauf warten, gefühlt zu werden. Bremse sie nicht aus, sondern fühle dich durch sie hindurch. Denn auf diese Weise schwimmst du im Fluss der Selbstheilung mit.

Es kann auch sein, dass in deinem Kopf ganz viele Gedanken wild durcheinander schwirren, die sich gar nicht beruhigen wollen. Vielleicht hast du dann das Bedürfnis, zu malen, um auf diese Weise rauszulassen, was gerade raus will – frei von Wertung und Anspruch auf Perfektion natürlich.

Oder du bist unglaublich müde. Wenn du merkst, dass dir der Schlaf gut tun würde, dann gönne ihm deinen Körper. Denn auch im Schlaf passiert viel an Heilungsarbeit.

Also, egal, welcher Impuls sich dir gerade aufdrängt – folge ihm einfach. Denn auch dieses Aktiv werden gehört dazu, um auf deinem Weg aus der Essstörung voran zu kommen. Aber eben nicht, weil du glaubst, es tun zu müssen, sondern weil du einen sehr starken, von innen heraus kommenden Drang verspürst, jetzt Dieses oder Jenes zu tun.

Und so arbeitest du dich Schritt für Schritt vorwärts. Je mehr es dir gelingt, dich diesem natürlichen Bewältigungsprozess der Essstörung hinzugeben, desto leichter wird es werden auf deinem Weg aus der Essstörung. Und desto mehr kannst du deine Selbstheilungskräfte nutzen.

Und zum Schluss nochmal eine Erinnerung für frustrierende Zeiten: Dein Körper hat von sich aus ein Interesse daran, gesund zu werden. Im Grunde genommen wirst du gar nicht drumherum kommen, irgendwann genau an diesem Punkt anzukommen, wenn du dich den in ihm wohnenden Kräften anvertraust.

© Dorothea

P.S.: Du kannst meine Artikel gerne teilen. Wenn du den Text nutzen möchtest, dann kopiere ihn bitte komplett und verlinke darunter meine Homepage www.wege-aus-der-essstoerung.de als Quellenangabe. Danke für diese Win-Win-Situation. 🙂

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