Bewältigung von Essstörungen

Jede Form der Essstörung hat ihre Besonderheiten und stellt andere Herausforderungen an die Betroffene.

Während bei einer Anorexie eine Gewichtszunahme erforderlich ist, um gesund zu werden, sind bei Binge Eating weniger Kilo das Ziel. Und bei einer Bulimie gilt es, von den Ess-Brech-Anfällen wegzukommen. Es scheint also, als ob jede Form ein eigenes Modell zur Bewältigung der Probleme braucht.

Doch es scheint nur so, denn um eine Essstörung zu bewältigen, gilt es, hinter das Symptom, also das Hunger, des Überessen oder das Essen-und-Erbrechen, zu schauen. Und eben auf dieser tieferen Ebene anzusetzen.

Die Funktionsweise von Essstörungen lässt sich anhand eines Vergleichs gut verstehen:

Stell dir vor, du bist mit deinem Auto unterwegs. Plötzlich leuchtet ein kleines Kontrolllämpchen warnend rot auf. Du machst dich auf den Weg in die Werkstatt, um das Problem beheben zu lassen.

Am nächsten Tag bekommst du dein Auto zurück und der Werkstattmitarbeiter erklärt dir, sie hätten die Kontrolllampe ausgewechselt, sodass sie nicht mehr leuchtet.

Erleichtert fährst du weiter. Doch es dauert nicht lange, bis dein Auto eigenartige Geräusche von sich gibt. Wieder begibst du dich auf den Weg in die Werkstatt, um nachsehen zu lassen, was los ist.

Ein paar Tage später kannst du dein Auto wieder abholen. Diesmal erfährst du, sie hätten die Motorhaube fester fixiert, damit sie nicht mehr so scheppert. Vielleicht wunderst du dich schon etwas, bist aber gleichzeitig auch froh, dass du dein Auto zurück hast.

Doch es dauert nicht lange, bis es vollends zum Stehen kommt und aus dem Motorraum nur noch dunkler Rauch aufsteigt.

Wo lag also der Fehler? Die Monteure haben sich lediglich um die Symptome, also die kaputte Lampe und die klappernde Motorhaube gekümmert. Effektiver wäre es gewesen, sie hätten sich gleich der Ursache, nämlich dem kaputten Motor, gewidmet. Denn auch wenn die Lampe nicht mehr geleuchtet und die Motorhaube nicht mehr geklappert hat, war die Ursache noch da. Und der defekte Motor hat immer neue und immer deutlichere Wege gefunden, um sich bemerkbar zu machen.

Die Geschichte mag ein wenig skurril klingen und vielleicht hast du über die Herangehensweise der Werkstattmitarbeiter etwas geschmunzelt.

Sie macht aber sehr gut deutlich, wie eine Essstörung funktioniert: Magersucht, Bulimie und Binge Eating sind lediglich die Symptome, also das defekte Lämpchen, die scheppernde Motorhaube oder der aufsteigende Rauch. Der Versuch, mithilfe von Essensplänen das Problem in den Griff zu bekommen, ist ziemlich aussichtslos.

Denn sobald die gewünschte Gewichtsveränderung gelingt, wird sich die dahinterstehende Ursache, also der kaputte Motor, eine neue Ausdrucksform suchen, um zu signalisieren, dass sie noch da ist. Du würdest zum Beispiel von einer Magersucht in eine Bulimie rutschen. Oder auch eine Symptomverschiebung von beispielsweise einer Esssucht hin zu einer Depression ist möglich. Das eigentliche Problem liegt auf einer anderen, tieferen Ebene und lässt sich auch nur dort beheben.

Wenn du deine Essstörung überwinden willst, ist es deshalb erforderlich, dass du nicht auf der Symptomebene stecken bleibst, sondern dass du dir die dahinter stehende Ursache anschaust. Denn die Essstörung möchte dich dazu einladen, zu verstehen, dass in deinem Leben einiges nicht mehr so funktioniert, wie es funktionieren könnte. Und erst, wenn du an diesen ganz basalen Stellen etwas veränderst und somit die Ursache beseitigst, wird das Symptom von ganz alleine verschwinden.

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